Aufsatz 
Aus dem Leben Karls des Großen
Entstehung
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Die Päbſte ſtanden auf Seiten der Bilderverehrung, Rom und Ravenna erhoben ſich gegen die Griechen und eine italiäniſch geſinnte Partei war dafür, einen Gegenkaiſer des Weſtens gegen den Kaiſer des Oſtens zu wählen. Dieſe Händel benutzten die Könige der Langobarden, vorzüglich Aiſtulf, um ſowohl das Herzogthum Rom als auch das Exarchat von Ravenna zu erobern. Der Pabſt, alſo zwiſchen zwei Feinde geſtellt, befand ſich in peinlichſter Verlegenheit, doch ſchien die nähere Gefahr die dringendſte zu ſein und die Legalität für die Anrufung der kaiſer⸗ lichen Hilfe zu ſprechen. Aber Conſtantins V. Hof antwortete mit*) Hohn, indem er die Zu⸗ ſammenkunft einer Synode ²) betrieb, welche die Bilder für eine Erfindung des Teufels erklärte. Da wandte ſich Stephan III. es war im Jahre 754 an Aiſtulf ſelbſt mit der Bitte, Rom nnd die Freiheit des Pabſtthums zu ſchonen. Vom Könige von Italien indeſſen perſönlich kalt abgewieſen eilte er hilfeflehend nach Frankreich, wo ſich König Pippin ſeiner annahm und mit ihm gegen Verleihung des römiſchen Patriciats den berühmten Vertrag von Kierſy ſchloß, welcher dem Pabſte nicht nur den Beſitz des Kirchenſtaates, ſondern auch der Kirche hinläng⸗ lichen Schutz gegen Langobarden und Griechen gewährte. Wie am Ende der Kaiſer und der König von Italien ihren Fehler, die Päbſte dem Könige der Franken in die Arme geworfen zu haben, einſahen und ſich im Jahre 774 gegen den Pabſt und ſeinen Patricius miteinander verbündeten, war es zu ſpät. Karl der Große zerſtörte das Königreich Italien, warf die Griechen zurück und zog dadurch den Pabſt ganz in ſein Intereſſe. Nich lange nachher erlangte die ränke⸗ volle Kaiſerin Irene die Herrſchaft in Byzanz. Durch den Verfall ihres Reiches beunruhigt, und die Fortſchritte des Khalifen Harun in Kleinaſien geängſtet³), ſuchte ſie im Jahre 787 eine Beilegung des 60 jährigen Glaubensſtreites anzubahnen. Zugleich gedachte ſie durch die ſchon erwähnte Coalition mit Thaſſilo und Benevent Italien den Franken mit leichter Mühe entreißen zu können, wenn die Glaubenseinigung*⁶⁴) zu Stande gekommen wäre. Ungeachtet des Widerſtandes ihres Heeres*) brachte es nun Irene durch kluge Unterhandlungen mit Adrian, der als Haupt der Kirche trotz ſeiner Freundſchaft für Karl auf dieſe Pläne eingehen mußte, dahin, daß das ſ. g. ſiebente allgemeine Concilium zu Nicaea in Gegenwart zweier päpſtlichen Legaten**) erklärte:Wenn man ſich vor den Bildern niederbeuge oder niederwerfe (proskynesis), ſo ſei dieß ein Zeichen der Liebe, die dem Urbilde gelte, keineswegs aber jene Anbetung(latreia), welche Gott allein gebühre. Dieſer Erfolg Irenens konnte Karl keines⸗ wegs gleichgiltig ſein, zumal da derſelbe in die kritiſchſte Periode**) ſeines Lebens fiel, wo es den Kampf gegen Thaſſilo galt, deſſen Verbindung mit Irene kein Geheimniß blieb. Es kam jetzt zwiſchen Karl und Irene zum Bruche. Die im Jahre 781 geſchloſſene Verlobung der fränkiſchen Princeſſin Rotdrudis mit dem jungen Kaiſer Conſtantin wurde aufgelöſt und in Unter⸗ italien ſtießen die fränkiſchen und griechiſchen Heere aufeinander.(Im Jahre 788).

Ebenſo unangenehm, wie dem Pabſte das damalige Eingreifen Karls in ſeine Prärogative

an Kaiſer Leo III. und Concil. Trident. Sitzung vom 3. December 1563. 63) Leibnitz 23. 64) Alzog p. 389 Gibbon p. 877. 65) Bouquet 59. 66) Um dieſe völlig zu bewerkſtelligen, wären noch mehrere Streitfragen über die Adminiſtration der ſüditaliſchen und illyriſchen Diöceſen zu löſen geweſen. Gibbon p. 888. 67) Deshalb wurde das Concilium von Conſtantinopel nach Nicäa verlegt. Leibuit 168. 68) Leibnitz 137, 138 69) Die Hauptſchwierigkeit für die Lateiner bei der Beurtheilung der proskynesis lag darin 1) daß man im Abendlande gerade die griechiſche Hofſitte nicht kannte(Leibnitz 171), denn die Verneigung vor dem Könige und die Kniebeugung waren altdeutſches Herkommen(Vilmar deutſche Alterthümer im Heliand p. 51). Bei ſeiner Kaiſer⸗ krönung durch Leo III. litt Karl der Große gleichwohl ſelbſt, daß ihn der Pabſt adorirte. 2) Daß man proskynensis durch adoratio ausdrückte, mit welchem Worte die Lateiner auch latreia überſetzten. 70) Bello mit Thaſſilo) quod quasi maximum futurum videbatur. Einhard v. c. 11. Ueber Rotrudis of. Idler 1, 217. 199.