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Die Erbitterung*³) Karls hierüber muß einen hohen Grad erreicht haben, ſo daß der angelſächſiſche König Offa von Mercia, gegen den Karl kurz zuvor erzürnt eine Kontinental⸗ ſperre*⁶) errichtet hatte, gleich nach ſeiner Verſöhnung mit ihm durch die Vermittelung des nach England geſandten Alcuin dem Könige Karl höchſt wahrſcheinlich auf Anſtiften ebendeſſelben Alcuin den Vorſchlag zu machen wagte, den Pabſt Adrian abzuſetzen und einen deutſchen Pabſt*) an ſeine Stelle zu ſetzen. Den erſten Theil des Vorſchlages verwarf Karl unbedingt, der zweite gefiel ihm inſoweit, daß er nach Adrians Tode einen Deutſchen— etwa den Alcuin?— gern auf dem päͤbſtlichen Throne geſehen hätte. Als Karl hierüber an Adrian ſchrieb, erregte dies Schreiben einen wahren Sturm in Rom. Sofort proteſtirte der Pabſt in einem energiſchen Briefe gegen ſolche Tücke Offa's.„Der Herr iſt mit mir“, ſchreibt er,„mir zu helfen, darum fürchte ich mich nicht. Was können mir Menſchen thun? Freilich habe ich Unwürdiger den Sitz der Apoſtel erlangt und die Stellvertretung St. Petri bekommen, das ganze mir von Gott übertragene chriſtliche Volk zu regieren; aber ich bin nicht von Menſchen gewählt, ſondern von unſerm Herrn Jeſus Chriſtus ernannt bin ich zu ſeinem Evangelium berufen. Und darum furchtlos hoͤre ich nicht auf, den Völkern das göttliche Wort zu predigen.“ Die Römer aber vereitelten nach Adrians Tode auch den zweiten Vorſchlag Offa's durch eine raſche Wahl eines Nachfolgers, welcher bei Karls Kaiſerkrönung noch einmal Karls Abſichten überflügelte.
Ein Jahr lang blieben nun die Verhältniſſe zwiſchen König und Pabſt auf dem früheren halbfreundlichen, halbgeſpannten**) Fuße, nicht nur weil Karl damals den Awarenkrieg ſtärker betrieb, ſondern auch wieder in die ſpaniſchen Angelegenheiten**²) eingriff. Der neubegonnene Kampf gegen das Khalifat von Cordova, welcher Karls fernere Lebenszeit hindurch dauerte, brachte übrigens den König auf das theologiſche Gebiet zurück. Der ſpaniſche Biſchof Felix*) von Seo d'-Urgel hatte nämlich, wie die byzantiniſchen Bilderſtürmer durch die Berührung mit den Muhammedanern dazu veranlaßt, auf eine Anfrage des Biſchofs Elipandus von Toledo, was er von der Menſchheit Chriſti halte, geantwortet, Chriſtus könne in dieſer Beziehung nur Adoptivſohn Gottes ſein. In Folge deſſen führte man Felix als Karls Unterthauen im Jahre 792 nach Regensburg ⁵¹⁴), wo er von einer Commiſſion von Biſchöfen des Irrthums überwieſen ward. Hierauf ging er mit dem kaiſerlichen Rathe Angilbert nach Rom ⁵²), wo er in Gegenwart des Pabſtes und des Senates ſeine Irrlehren abſchwur und von da in ſeinen Sprengel zurück⸗ kehrte. Kaum aber zu Hauſe angelangt widerrief Felix ſeinen Widerruf und die Bewegung griff von neuem um ſich. Da kamen im folgenden Jahre auf Anſuchen des Königs ³³) Geſandte vom Pabſte zu Karl und verhandelten mit ihm über die Abhaltung einer Kirchenverſammlung zur Erledigung der Felicianiſchen Häreſie. So ward denn im Jahre 794 zu Frankfurt a. M. in der Aula des königlichen Palaſtes jene große Kirchenverſammlung ³*⁴) abgehalten, zu der Geiſtliche und Laien aus Oberitalien, dem Frankenreiche Gothen, Aquitanien, Gallicien und
579— 581— 45) Einen andern gewichtigen Grund ſiehe bei den Bilderſtreitigkeiten.— 46) Idler 1, 197.— 47) Bouquet 589. Leibnitz 153, 175. Die Verhandlung datirt vom Jahre 790.— 48) Bouquet 588.— 49) Pertz 2, 609. Idler 1, 168. 196. Liſſabon und Barcelona wurden von den Chriſten geſtürmt, aber dafür warfen ſich die ſpaniſchen Seeräuber auf Italien. Leibnitz 144, 279. Nach Karls Tode gingen Corſika, Sardinia, Siciliten und Calabrien, beſonders an die Aglabiden, verloren, die 846 ſogar in Rom ſtanden und Si. Peters Dom plünderten und entweihten. Leibnitz 532. Italien rettete nur die von den Päbſten eingeleitete Verbindung mit Deutſchland vom Verderben.— 50) Er heißt coepiscopus Moissiac ad an. 794. Bouquet 210. Elipandus wird Toletanae civitatis Metropolitanus genannt. Idler 2, 326. Leibnitz p. 151, 167. Atzog Univerſalgeſchichte der chriſtlichen Kirche, 6. Auflage, p. 376.— 51) Hier widerlegte ihn hauptſächlich Erzbiſchof Arno von Salzburg. Idler 1, 271.— 52) Bouquet 48. 320.— 53) Idler 2, p. 329§. 6.— 54) Einhard ann. Pertz 1, 301. 36.—


