Aufsatz 
Aus dem Leben Karls des Großen
Entstehung
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Vorkämpfer**) gegen die Griechen zu verwenden und bald beklagte ſich Adrian, daß er im Bene⸗ ventaniſchen*²) nur die Klöſter, Bisthümer, Wirthſchaftshöfe und Schlüſſel der verlangten Städte, nicht aber die Leute**) übergeben bekäme; er verlange volle Unterwerfung, wie es mit den tus⸗ ciſchen Städten gehalten ſei; jetzt ſehe man, wie Grimold in Capua, einer päbſtlichen Stadt, einher ſtolziere, gleichſam als wenn er dem Apoſtelfürſten vorgezogen wäre. Populonium und Rosellae waren dann die letzten Ortſchaften, die Adrian oder ſein Nachfolger vom Könige noch erhielt.

Weit ſchlimmer übrigens, als die Weigerung den Kirchenſtaat zu erweitern, war Karls Streben in die Prärogative des Pabſtes einzugreifen**). Nicht als ob nicht des Königs Vor⸗ haben eine Verbeſſerung der fränkiſchen Kirche zu bewerkſtelligen und das religiöſe Leben in deutſchen Landen auf alle Weiſe zu befördern ein überaus löbliches Unternehmen geweſen wäre mit Recht iſt ja in dieſer Richtung Bonifacius geprieſen worden, inſonderheit weil er die parlamentariſchen Formen in die fränkiſche Kirche eingeführt und durch die regelmäßige Wieder⸗ kehr der Synoden*²³) neues Leben der deutſchen Kirche eingehaucht hat wohl aber iſt zu erwägen, ob dadurch nicht eine gewiſſe Beſeitigung des Pabſtthums beabſichtigt war. Die verhängnißvolle Einmiſchung Conſtantins I.**) in die Donatiſten⸗ und Arianerhändel, ſo wie Juſtinians I. in den Dreikapitelſtreit hätte den König von zu tiefem Eingehen abſchrecken ſollen; es ſcheint jedoch, daß der Einfluß Alcuins ⁴⁶) überwog. Dieſer Engländer, ein ebenſo ausgezeichneter Humaniſt als der Grieche Photius, der zwei Menſchenalter ſpäter eine griechiſch⸗ katholiſche Nationalkirche ſtiftete, war, wenn nicht der Urheber, doch der Leiter dieſer refor⸗ matoriſchen Beſtrebungen im Frankenlande. Es erſchienen nun im Laufe des Jahres 789 vier Reichsgeſetze und eine an die aquitaniſchen Sendboten gerichtete Inſtruktion, welche meiſten⸗ theils in den Organismus der Kirche und das kirchliche Leben eingreifen**). Wohl mochte Karl ſelbſt fühlen, daß er weit ging, denn im Eingange des erſten, am 23. März*¹²) erſchienenen Capitulars bemerkt er ſelbſtes ſei keine bloße Anmaßung von ihm, wenn er ſo reformire; man möge ſein Beſtreben mit wohlwollendem Sinne chriſtlicher Liebe beurtheilen; er folge nur dem Beiſpiele des Königs Joſias**), der das ihm von Gott verliehene Reich durch Rundreiſen, Verbeſſern und Vermahnen zur Verehrung des wahren Gottes zurückzuführen bemüht geweſen. Damit indeſſen nicht zufrieden beklagte ſich der König gegen den Pabſt, daß in Italien und Tuscien die Simonie wuchere. Der verſtimmte Pabſt erwiderte ſeinerſeits, er ſei an dieſer Simonie nicht Schuld; übrigens maßten ſich die Biſchöfe von Langobardien fremde Kirchſprengel an; und Karl möchte doch Niemanden aus dem Ravennatiſchen oder der Pentapolis ohne ein päbſtliches Schreiben vor ſich laſſen**), ſondern das Patriciat von Ravenna dem St. Peter ungeſchmälert belaſſen.

36) Durch den Kirchenſtaat ward die berühmte Municipalfreiheit der italieniſchen Städte hauptſächlich begründet. 37) Hincmar von Rheims(Idler 2, 159) ſagt: Duo sunt quibus principaliter mundus hic regitur: auctoritas sacra Pontificum et regalis potestas; in quibus personis, sicut ordinum sunt diversa vocabula, ita sunt et divisa in unoquoque ordine ac professione ordinationum officia. Diligenter igitur quisque debet in ordine et professione sua, quo nomine censetur, attendere et magnopere providere, ne a nomine discordet officio. Schon 782 verhandelte Adrian ep. 76 eine Competenzfrage gegen Karl. 38) Auf dieſen Punkt macht beſonders von Hefele in ſeinen Concilien aufmerkſam. 39) Sonderbarer Weiſe ſagte ſchon Adrian in ſeinem berühmten Briefe vom Jahre 775:Ein neuer Conſtantin, ein allerchriſtlichſter Kaiſer, iſt unter uns auf⸗ geſtanden Ozanam a. a. O. p. 167. 40) Ueber thn Idler 1. 231. Einhard vit. cp. 25 Leibnitz 96 ff⸗ Alcuin nannte ſich in ſeiner Grabſchrift ſelbſt Alchwin. Leibnitz 235. 41) Pertz 3. 67. 4, 15. 42) Pertz 3. 53 sqq. 43) Idler 2, 122 Hludwig der Fromme trieb als König von Aauitanien dieſe religiöſen Studien ſo eifrig, daß er Moönch geworden wäre, wenn es ſein Vater erlaubt hätte. Leibnitz 287. 44) Bouguet 578.