Aufsatz 
Aus dem Leben Karls des Großen
Entstehung
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und beſchworen wurden, und das eine Exemplar legte Karl ſelbſt auf St. Peters Leichn am. Für dieſen ausgezeichneten Dienſt ſetzte der Papſt dem Könige eiue koſtbare Krone*³) auf und begrüßte ihn als König von Italien*). Seitdem nannte ſich Karl von Gottes Gnaden König der Franken und Langobarden ³), ſowie Patricius der Römer. Ferner händigte Adrian ein Exemplar der in Rom giltigen Decretalenſammlung ²⁴) dem neuen Glaubenshelden ein, um ihn zu befähigen, die Kirche in ſeinen weiten Landen gemäß dem römiſchen Herkommen zu regeln. Eudlich gelobten ſich(wie Adrian ſelbſt meldet*), beide Männer ewige Liebe und Treue, inſon⸗ derheit Karl, Schutzherr des Pabſtes zu ſein, Adrian dagegen, am Grabe des hl. Petrus zu beten, daß Gott Karl zum Sieger über alle barbariſchen Nationen machen möge, ſo daß ſie alle unter ſeinem Arme gedemüthigt**) die Fußtapfen ſeiner Füße küßten und die Kirche Gottes durch ſeine von Gott ihm verliehene Koͤnigsgewalt erhöht würde. Durch dieſen letzten Akt, welcher ihm, ſo zu ſagen, ein religiöſes Anrecht verlieh, ward Karl, deſſen Reich durch die Eroberung von Norditalien zu einer Großmacht erſten Ranges geworden, über alle germaniſchen und ſlaviſchen Fürſten emporgehoben, durch dieſen Akt gewann er aber auch bei ſeiner nun⸗ mehrigen maßgebenden Stellung in Italien ein thatſächliches Uebergewicht über das hilfsbe⸗ dürftige Pabſtthum, welches ohne ſeine ſittliche Haltung und ſeine ſelbſtſtändige Lebenskraft ohufehlbar zum oberſten Verwaltungsanite der Kirche herabgeſunken wäre.

Dieß ſprach nicht lange nach der im Juni deſſelbigen Jahres bewerkſtelligten Uebergabe von Pavia Cathwulph**) in ſeinem Gratulationsſchreiben an Karl unumwunden aus und Karl verfuhr in Nachahmung des byzantiniſchen Kaiſerthums, deſſen Machtſtellnug er ſchon damals überflügelte, in der That ſo, daß er eher der Herr ²⁰²), als der Schutzherr der Kirche zu ſein ſchien, wenn er auch bis zum Falle Thaſſilos noch einigermaßen rückſichtsvoll vorging. Denn während er im Namen der Kirche, aber ebenſowohl zu ſeinem Vortheile gegen die ſpaniſchen Muhammedaner und die Sachſen lohnende Kreuzzüge¹) unternahm, zeigte er ſich ſelbſt gegen gerechte Forderungen des Pabſtes unnachgiebig. Ob Karl, nachdem er ſelbſt König von Italien ²²) geworden war, demſelben den Beſitz von Mittelitalien nicht gönnte, nicht einmal die ſofortige Rücdgabe*²) des von Deſiderius geraubten Exarchats, geſchweige die geforderte Herausgabe von Corſica, ganz Spoletos und Benevents, mehrerer Städte im lombardiſchen Tuscien, des Patri⸗ moniums von Sabina, der im iſtriſchen Gebiete liegenden Patrimonien, ſowie von Terracina, Gasta, Neapel u. ſ. w. konnte Adrian erlangen. Ja die Verhandlungen hierüber nahmen bald einen

Gelegenheit kann Karl den von Einhard v. cp. 23 erwähnten Kaiſerornat angelegt habeu. 15) Bouquet 726, 771. 10) Rach der Formel Hincmars(Idler 2, 159) et in sacra Regum historia legimus, quia principes sacerdotum quando sacra unctione reges in regnum sacrabant, coronam victoriam significantem ponentes super capita eorum legem in mauus dabant ut scirent qualiter se ipsos regere et pravos corrigere et bonos in viam rectam deberent dirigere. Leibnitz p. 52, 185. Ozanam die Begründung des Chriſtenthums in Deutſchland, München 1845, p. 175. 17) Codex Carolin. epp. 62. Dagegen iſt die angebliche Bulle Adrians(Idler 2, 280), welche dem Könige das Recht der Pabſtwahl, die Anordnung des päbſtlichen Sitzes, die Würde des Patriciates und die Iuveſtitur der Erzbiſchöfe und Biſchöfe vor ihrer Conſecretion einräumt, zu Otto's I. Zeit untergeſchoben. 18) Bouquet 568. 19) Idler 2. 4. 20) Dazu trug Adrians Augſt weſentlich bei, z. B. bei einem beabſich⸗ tigten Handſtreiche der Langobarden 775 gegen Rom Idler 2, 30. 21) Bouquet 447, 482, 568. Annal. Pe- taviani vergleichen wegen des Sachſenkrieges Karln mit Johannes dem Täufer, 14. Idler 1, 142. 2, 155. 22) Pertz 1, 118. 23) Cod. Carolin. ep. 54. Perz 4. cp. spuria 7. Bouquet 551, 555, 545. Cod. Carol. ſep. 55. 73. Wegen Spoletos Bouquet 548. Leibnitz 87. Gibbon p. 886 wegen der übrigen Patrimonien mit Ausnahme der in Iſtrien ep. 65. Leibnitz 62. Bouquet 550, 552, 553, 558. Als Biſchof Mauricius von Iſtria auf Drängen Adrians und im Auftrage Karls von deu Griechen die iſtriſchen Patrimonien einforderte, riſſen die Griechen dem Biſchofe die Augen aus und ſtürmten Terracina, 559. 24) Bouquet 556. Leibnitz p. 68. Adrian