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Robinſon dem Jüngern an Seite 46 ſtehen geblieben; der erſte Satz, welcher im Chore geleſen ward, enthielt den Ausdruck beurtheilen, über welches Wort Sägert eine etymologiſche Uebung folgendermaßen anſtellte und ſtatt deſſen das Leſen unterließ. Er ſchrieb an die Holztafel:
Theil theilen be—— urtheilen— etwas ver—— urtheilen— Jemand ver—— theilen— etwas aus—— theilen— an Jemand zer—— theilen— ein Ganzes ein—— theilen— wozu? Weshalb? ab—— theilen— in wie viel Klaſſen abgeben mit—— theilen—; erzählen ur—— theilen— über etwas er—— heilen— was? be—— vortheilen— wen?
Die Schüler vor der Tafel im Halbkreiſe aufgeſtellt, wurden vom Herrn Director redend, aber wieder unter ſteter Begleitung der Geberdenſprache, mit der Bedeutung obiger Wörter bekannt gemacht durch Anſchauliches aus den Le⸗ bensverhältniſſen der Kinder ſelbſt, welche dann nach bewirktem Verſtändniß über das Angeſchriebene Beiſpiele bilden mußten. Aus den Leiſtungen war zu erſehen, daß die Sprachbefähigung der Zoöglinge im ſchriftlichen Ausdruck bei ſehr geweckter Bethätigung, ſowie das Denken ſchon viele Uebung erlangt hatten, daher Anerkennung verdienen.— Die Fortſetzung des Leſeunterrichts von Seiten des Herrn Directors in ſeiner ſogenannten„ Leſeklaſſe“ vermißte ich ungern, indeß ward derſelbe von Herrn Oberlehrer Reimer in der nächſten Leſeſtunde da fortgeſetzt, wo Sägert geſtern ſtehen geblieben war. Nachdem die Schüler eine Stelle geleſen hatten, war der Lehrer mittelſt ſoufflirender Ge— berde bemüht, durch Verſinnlichungen an Lebensbildern die Taubſtummen in das Verſtändniß des Geleſenen einzuführen, ging aber, gegen meine Erwartung, dabei nicht fragend, den Geiſt der Kinder ſelbſtthätig anregend zu Werke, ſon⸗


