Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : Fortsetzung und Beschluß
Entstehung
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Profeſſor Lachs übte die Schüler der vierten oder Vorbereitungsklaſſe im Lautiren. Man hat bei einer früheren Gelegenheit irgendwo behauptet, Lachs beſitze als Taubſtummenlehrer eine ungewöhnliche Geſchicklichkeit im Ent wickeln der Laute bei Taubſtummen. Mit ganz beſonderem Intereſſe wohnte ich daher Sprechübungen bei, auf die ich ſelbſt foviel halte und die der Herr Profeſſor mit eben ſo routinirter Gewandheit, als hingebender, zäher Ausdauer anzuſtellen wußte. Er ſaß vor einem langen Tiſche, die Kinderchen an beiden Seiten deſſelben auf Stühlen ſitzend und die Lection erwartend. Der Reihe nach trat jedes Kind vor den Lehrer, um ſowohl Laute, die auf einzelne Papier⸗ blättchen geſchrieben waren, als Lautverbindungen in Silben und Wörtern zu ſprechen; die Buchſtaben wurden dergeſtalt in den gewöhnlichen Verbindungen aneinander gereiht und demnächſt die Kinder zum Lautiren veranlaßt, was nicht ſelten recht ſchwer hielt.

Vergeſſenes ward in's Gedächtniß zurückgerufen, Fehlerhaftes nicht ohne Mühe berichtiget, Neues eingeübt und dabei das rauhe, ungeübte Sprachinſtru⸗ ment des taubſtummen Kindes möglichſt zum Reinen geſtimmt. So kam die Reihe an jedes Kind, eine Manier, die hier wohl jeder Tag bringt. Die ſchon weiter vorgerückten Schüler articulirten Wörter in Reimers grammatiſcher Bilderfibel und die Bedeutung derſelben wurde zugleich durch die vermittelnde Anſchauung des daneben gezeichneten Bildes bewirkt. Während der Lehrer auf correcte Ausſprache und möglichſt richtige Betonung hielt, wurden die unglück⸗ lichen Kinderchen freundlich und mild, ſchüchterne aber vorzugsweiſe anregend und aufmunternd behandelt. Die genannten Sprechübungen kehren in dieſer Weiſe täglich wieder, wohl mit verſchiedenen Variationen, und Herr Lachs iſt hier ganz an ſeinem Platze.

Herr Lehrer Wilke übte in der dritten Klaſſe, aus mehreren Abtheilun⸗ gen gebildet, das Sprach⸗ und Anſchauungsvermögen der Kinder in folgender Weiſe. Eine ſeiner Bildertafeln hing an der vor den Schülern ſtehenden Holz⸗ tafel, dieſe wurden angehalten, die darauf gezeichneten Gegenſtände pantomimiſch zu benennen, deren Namen er dann ſelbſt auf die Tafel ſchrieb und demnächſt von den Kindern copiren ließ. Wilke bewirkte mittelſt ſehr guter Geberde, als