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gerichteten Gebäude, das außer den Schul-, Penſions- und Oekonomielocalitäten, auch die Amtswohnung für den Director und Wohnungen für mehrere Lehrer enthält. Hinter dem Inſtitutsgebäude liegen Spiel⸗ und Turnplätze, ſowie zwei Gärten, von welchen einer dem Director überwieſen, der andere für die Zöglinge beſtimmt iſt. Die Anſtalt zählt gegenwärtig 70 Zöglinge, 39 Kna⸗ ben und 31 Mädchen, von denen 30 Penſionäre und 40 Schulgänger ſind; die Erſteren werden im Inſtitute ſelbſt, die Letzteren von ihren Eltern, oder in Koſthäuſern gepflegt. Das jährliche Koſtgeld für einen Penſionär iſt auf 60 Thaler feſtgeſetzt Die Privatpenſionäre des Directors und der Lehrer, ſowie vermögende Schulgänger zahlen ein jährliches Schulgeld von 50 Thalern. Die Hausordnung, ſowie die Beaufſichtigung der Lehrer über die Penſionäre iſt auf eine muſterhafte Weiſe geregelt, ſo daß Unregelmäßigkeiten von Seiten böswil⸗ liger Schüler ſelten auffommen können.— Das Unterrichtsweſen der Anſtalt iſt gegenwärtig nach einem von Director Sägert ſkizzirten Lehrplan eingerich⸗ tet, der im Weſentlichen auf ſeiner„Anleitung zum Sprech- und Sprachunter⸗ richte taubſtummer Kinder“ fußt und im Berichte der Anſtalt von 1845 veröf⸗ fentlicht worden iſt. Das Ganze iſt ſowohl nach ſachlichen und logiſchen, als nach etymologiſchen und grammatiſchen Principien geregelt und Sägert hat durch dieſe Arbeit und ſeine ſeitherigen Beſtrebungen bewieſen, daß er ein ge⸗ ſchickter Organiſator iſt. Ob aber der fragliche Lehrplan in der Ausführung ſich gerade als ein naturgemäßer, dem Bedürfniß des Taubſtummen ganz ent⸗ ſprechender zeigen werde, wage ich nicht auszuſprechen. Die Zeit muß lehren, ob in der Praxis die günſtigen Erfolge daraus erſtrebt worden ſind, welche man als Ziel geſetzt hat.
Im Anfange eines Beſuchs in genannter Anſtalt ſuchte ich vor Allem den Bildungsſtand der Zöglinge bezüglich der Artikulationsbefähigung kennen zu lernen und fand, daß mehrere derſelben recht gut und fertig artikulirten, während dies bei der Maſſe weniger der Fall war. Es ſind die Erſteren im⸗ mer ſolche Kinder, die vor ihrem Taubwerden auf dem gewöhnlichen Wege ſchon ſprechen gelernt hatten, oder ſolche, die noch ſo viel Gehör beſitzen, daß ihnen das Vernehmen einzelner Wörter dadurch möglich iſt.


