Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : 1. Heft
Entstehung
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Herr Oberlehrer Aeplinius machte mich vorerſt mit dem Standpunkte der mechaniſchen Sprechfertigkeit ſeiner Schuͤler bekannt, indem Kinder aus allen Abtheilungen aus der oben genannten grammatiſchen Bilderfibel Proben ihrer Leſefertigkeit produciren mußten. Die Kinder articulirten nach Befaͤhigung und Beſchaffenheit ihrer Sprachwerkzeuge mehr oder weniger vernehmlich und deutlich und ihre Ausſprache war fuͤr mich, wenn ſie auch die Taubſtummen verrieth, durchweg befriedigend. In Ruͤckſicht des ſprachlichen Standpunktes der oberſten Klaſſe wurde nun folgendes gezeigt. Oberlehrer Aeplinius ſtellte die Aufgabe, Gegenſtaͤnde durch zuſammengeſetzte Dingwoͤrter zu benennen. Die Schuͤler nannten ſolche in geuͤbter, muͤndlicher Weiſe ſo gut, wie es immerhin in Schulen vollſinniger Kinder zu geſchehen pflegt. Dann wurden Merkmale der Gegen⸗ ſtaͤnde als Gegenſaͤtze genannt, Dingwoͤrter durch Eigenſchaftswoͤrter naͤher beſtimmt ꝛc. und die hierher gehoͤrigen Satzverhaͤltniſſe von den Schuͤlern voll ſtaͤndig angegeben. Der Lehrer docirte in muͤndlicher Weiſe, wie bei vollſinnigen Kindern, mit Beihilfe leichter, angemeſſener Geberde und die Antworten der Taubſtummen zeugten von vieler Sprach⸗, Sprech⸗ und Abſehfertigkeit, was ich um ſo hoͤher anſchlage, da nicht vorgepruͤft ward und angelernte Redens⸗ arten aus dem Spiele blieben.

In der II. Klaſſe ſah ich Hrn. Aeplinius eine Sprachuͤbung in folgender Weiſe vornehmen: Er ſchrieb vorerſt die Aufgabe an die Tafel und ſagte dann auch muͤndlich: Nennt Ordnungszahlen! Die Kinder nannten der erſte, zweite, dritte, vierte, ꝛc.

L. Wie viel Kinder ſitzen an dem Tiſche?(Hier diente ein Bild in Reimer's grammatiſcher Bilderfibel zur Betrachtnng.) Sch. Fünf Kinder ſitzen an dem Tiſche. L. Wie viel Mädchen ſitzen an dem Tiſche? Sch. Ein Mädchen ſitzt an dem Tiſche. L. Welche Kinder ſind Knaben? Sch. Das erſte, zweite, dritte und vierte Kind ſind Knaben. L. Welches Kind iſt ein Mädchen? Sch. Das fünfte Kind iſt ein Mädchen, L. Was thut das erſte Kind? Sch. Das erſte Kind ſchreibt. L. Was thut das fünfte Kind? Sch. Das fünfte Kind ſchreibt auch ꝛc. L. Was thut das vierte Kind? Sch. Das vierte Kind lieſt.

In dieſe Uebung wurden auch andere Gegenſtaͤnde hereingezogen, man legte z. B. Buͤcher reihenweiſe auf den Tiſch, richtete den oben aͤhnliche Fragen an die Kinder und nahm auch endlich Tage und Monate zum Gegenſtande der