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Die Geberdenſprache wird deshalb von vornherein benutzt, weil ſie die Mutterſprache des Taubſtummen iſt und der Lehrer nur durch ſie ermitteln kann, auf welcher geiſtigen Entwickelungsſtufe derſelbe ſteht und welche Vorſtel— lungen und Begriſſe er mit in die Schule bringt; ſie iſt hier das naͤchſte und beſte Mittel, ſein Geiſtiges anzuregen, ſeiner Aufmerkſamkeit eine beſtimmte Richtung zu geben, ſowie auf Herz und Gemuͤthsanlagen belebend und bildend einzuwirken. Dieſem Grundſatze gemäß, wird der Unterricht durch pantomimiſche Unterhaltungen angeknuͤpft und vorbereitet. Dabei wird die«grammatiſche Bilderfibel zur Schreibleſe-Methode von Reimer und Wilke» benutzt, welche dem Lehrer den Lehrgang genau verzeichnet. Sind die Schuͤler in der Articula⸗ tion inſoweit gefoͤrdert, daß ſie Woͤrter fertig ſprechen koͤnnen, ſo folgen Satzuͤbungen nach dem in der Fibel gegebenen grammatiſchen Stufengange in der Art, daß die in dieſem Buche enthaltenen Satzformen nach bewirktem Sach— verſtaͤndniß fleißig durchgeſprochen, abgefragt und die Schuͤler angeleitet werden, zu dem Gelernten aͤynliche Beiſpiele zu bilden. Die Sprechuͤbungen werden zugleich Denkuͤbungen. Auf einer ſchon weitern Stufe der Sprachbildung be— ginnt der ſogenannte Anſchauungsunterricht, wozu neben wirklichen Gegenſtaͤnden auch Bilder und Proben von Stoffen als Lehrmittel dienen.— In der I. Klaſſe werden neben grammatiſchen Uebungen Tagebuͤcher gefuͤhrt. Aus den vorgelegten Proben war zu erſehen, daß ſie nach Inhalt und Form eben nichts Abweichendes von den Leiſtungen anderer Anſtalten in dieſem Betreffe darlegten. Die Schuͤler ſchreiben naͤmlich das, was ſie im Laufe des Tages ſehen, oder ſonſt irgend— wie wahrnehmen, was ſie ſelbſt thun und denken, wuͤnſchen und empfinden in ihre Arbeitshefte nieder, wo dann nach dem ſprachlichen Bildungsſtande und den Localverhaͤltniſſen, worin ſich die Taubſtummen befinden, die Tagesberichte natuͤrlich ſehr verſchieden ausfallen. Ein weſentlicher Vortheil iſt's, daß ſie auf dieſe Weiſe genoͤthigt ſind, den ſich angeeigneten Sprachſchatz in dem, was ihnen der Tag bietet, ſelbſtthaͤtig anzuwenden und ſo Fertigkeit und Sicherheit im ſchriftlichen Ausdrucke, aber auch ein geordnetes, klares Denken zu gewinnen. Daneben finden Uebungen in der Anfertigung der gewoͤhnlichen Geſchaͤftsaufſaͤtze Statt, damit der Taubſtumme in ſeinen ſpaͤteren buͤrgerlichen Lebensverhaͤltniſſen ſich noͤthigenfalls auch in dieſer Beziehung zu helfen wiſſe.


