Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : 1. Heft
Entstehung
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die eines Maͤdchens auf 60 Thaler. Kinder vermoͤgender Eltern zahlen jaͤhrlich 20 Thlr. Schulgeld und 2 Thlr. fuͤr Schulutenſilien. Die Unterhaltungskoſten vermoͤgender Kinder betragen per Jahr 100 Thlr, nach feſtgeſetzten Bedingungen oft noch mehr. Der Unterrichtscurſus iſt, bei taͤglich fuͤnf- bis ſechsſtuͤndigem Unterrichte, auf ſechs Jahre berechnet. Wegen Mangel an Raum werden ſaͤmmtliche Schuͤler gleichzeitig von den drei Lehrern und den Seminariſten, welche, wie oben bemerkt, ihre Unterrichtsverſuche gruppenweiſe anſtellen, in einem Zimmer unterrichtet, was inſofern ein Mißſtand iſt, weil es im Auffaſſen der lauten Rede ſtoͤrt, wenn die anweſenden docirenden Lehrer in einem Zimmer laut ſprechen und die Schuͤler auch muͤndlich und dabei vernehmlich antworten ſollen. Gewiß iſt es in einem ſolchen Durcheinanderreden ſchwierig, zu unter⸗ ſcheiden, ob die Ausſprache des Taubſtummen auch eine verſtaͤndliche und fehlerfreie iſt. Hr. Oberlehrer Aeplinius unterrichtet vorherrſchend in der oberſten Klaſſe, gibt aber auch einzelne Lectionen in den anderen Klaſſen, um mit dem Unterrichtsgang und dem Bildungsſtande der Schuͤler im Einzelnen bekannt zu bleiben, ſowie im Unterrichtsverfahren, wo es noͤthig erſcheint, die gehoͤrigen Winke geben zu koͤnnen. Das Lehrverfahren der Anſtalt iſt folgendes:

Mit dem Eintritte des Taubſtummen in die Schule beginnt der Unterricht im Articuliren und Schreiben der Buchſtaben und Lautverbindungen. Den groͤßten Theil der erſten Schulzeit fuͤllen dann die Uebungen im mechaniſchen Sprechen, Abſehen, Schreiben und Leſen aus, indem ſie auf den unteren Stufen ſtets gleichmaͤßig mit und neben einander fortlaufen und ſo in engſter Verbin⸗ dung nur als ein Lehrgegenſtand auftreten. Dieſe Sprech- und Abſehuͤbungen bleiben jedoch nicht auf die erſten Schuljahre beſchraͤnkt, ſie werden auch ſpaͤter noch durch alle Klaſſen fortgeſetzt, wo bei dem beſonderen Unterrichtszwecke die Aufmerkſamkeit des Lehrers auch auf die Ausſprache des Schuͤlers gerichtet iſt, um einerſeits vorkommende Fehler zu berichtigen, andrerſeits das Sprechen immermehr auszubilden und die den Taubſtummen ſo empfehlende Zungenfertig keit zu ſteigern. Denn nur dadurch iſt es moͤglich, dem Taubſtummen im Sprechen und Abſehen vom Munde jene Fertigkeit anzueignen, die im ſpaͤteren Lebensverkehr ſo noͤthig und nützlich fuͤr ihn iſt und ſein gutes Fortkommen bedingt.