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wuͤrdige daraus in einer allgemeinen Ueberſicht zuſammenhaͤngend geordnet und nach Beduͤrfniß erweitert. Der Zeichenunterricht wird bloß den Knaben ertheilt, waͤhrend deſſen uͤben ſich die Maͤdchen unter Anleitung der Tochter des Directors in weiblichen Handarbeiten.
Die Sprachlehre wird noch nach dem alten grammatiſchen Gange behandelt, ein Verfahren, das ich in Bezug auf taubſtumme Schuͤler eben ſo naturwidrig, als unpractiſch finde, da der Taubſtumme die Sprache nicht durch todtes Regel⸗ werk, ſondern beſſer durch den natuͤrlichen Gebrauch lernt und lernen ſoll in aͤhnlicher Weiſe, wie auch das hoͤrende Kind dazu kommt, ja wie wir Alle Sprechen und Sprache in unſern Kinderjahren uns angeeignet haben. Auch legt man hier noch ſehr viel Werth auf Woͤrterbuͤcher in alphabetiſcher Ordnung angelegt und widmet uͤberhaupt dem lexicaliſchen Theile des Sprachunterrichts eine zu vielfache Thaͤtigkeit, waͤhrend der grammatiſche erſt ſpaͤter eintritt. Dieſe Trennung entſpricht aber keineswegs dem Sprachentwickelungsgange, welcher hoͤrende Kinder in den Beſitz der Sprache bringt und den der Lehrer, will er vernuͤnftig zu Werke gehen, bei taubſtummen Kindern, wo nur immer moͤglich, nachahmen muß, ſei es nun durch die unmittelbare Anſchauung der Gegenſtaͤnde ſelbſt, oder durch die vermittelnde an Bildern und Proben von Stoffen ꝛc. Sobald naͤmlich der Taubſtumme die gehoͤrige mechaniſche Sprech⸗ fertigkeit erlangt hat, muß ein geordneter Anſchauungsunterricht eintreten, der die eigentliche Sprachlehre vorbereitet und begruͤndet.— Da man in dieſer Anſtalt noch immer dem Alten zugethan iſt und ſich in Bezug auf die neueſten Beſtrebungen fuͤr ein beſſeres Unterrichtsverfahren tadelnd aͤußert, ſo kann ein Lehrer vom Fach uͤber Unterricht und Methode hier wenig Ausbeute holen, ſo muſterhaft auch ſonſt die Einrichtungen dieſes Inſtitutes ſein moͤgen.
Dr. Weidner iſt freilich kein junger Enthuſiaſt, kein blinder Nachbeter des Neuen, ſondern ein ſelbſtſtaͤndiger, tiefblickender Mann, der bei ſehr gediegener Geiſtesbildung gewißlich reiche Erfahrungen bei ſeinen Taubſtummen geſammelt hat; allein ein ſtarres Feſthalten am Herkoͤmmlichen, wofuͤr man Beſſeres haben kann, iſt eben ſo verwerflich, als ein voreiliges, oberflaͤchliches Haſchen nach dem Modernen, ein Verfangen in Extreme, die den Keim des Verderbens mit ſich fuͤhren.


