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Denn immerhin iſt es ein Mißſtand, daß die eine Klaſſe mit ſtillen Penſen be⸗ ſchaͤftigt, ſich ſelbſt uͤberlaſſen iſt, waͤhrend er die andere ſelbſt unterrichtet, wenn auch dann und wann eine Beaufſichtigung durch ſeine Tochter— wie ich ſie wahrgenommen,— bei jener Statt finden mag. Ich halte es aber fuͤr ſehr nach⸗ theilig, wenn nicht immer, wie es in dieſer Anſtalt der Fall iſt, die Schuͤler unmittelbar von einem Lehrer bethaͤtigt werden; denn die Bildung der Zoͤglinge leidet dadurch uͤberhaupt, insbeſondere aber wird die Aneignung der Lautſprache, die in der Taubſtummenbildung ſo uͤberaus wichtig iſt, vernachlaͤſſigt.
Im Lehrverfahren geht Weidner mehr ſeinen eigenen Weg, namentlich gilt dies in Bezug auf den Sprachunterricht, welchen er im Allgemeinen nach der alten Methode des Berliner Inſtituts ertheilt, deſſen Schuͤler und Lehrer er geweſen iſt; dabei hat aber auch ſeine Sprach⸗Methode, ſo viel ich wenigſtens fuͤchtig aus dem mir vorgelegten Manuſcripte erſehen konnte, viel Aehnliches mit Jaͤger's Anleitung. Er kultivirt die Lautſprache, benutzt aber auch die Geberdenſprache, ohne ſie jedoch kuͤnſtlich zu erweitern. Nach ſeinem Dafuͤrhalten iſt die Geberde bei den neu eintretenden Zoͤglingen die Sprache der Unterhal⸗ tung und bietet im Unterrichte die erſten Anknuͤpfungspunkte zwiſchen Lehrer und Schuͤler dar. Sie dient, um zu ermitteln, welche einzelnen Anſchauungen oder Vorſtellungen und Begriffe das taubſtumme Kind mit in die Schule bringt und wie weit ſeine Denkkraft entwickelt iſt, auch iſt ſie das vorzuͤglichſte Mittel ſeine moraliſchen Anlagen zu wecken und zu bilden. Iſt das Kind aber in ſeiner geiſtigen und ſprachlichen Bildung ſo weit gefoͤrdert, daß es ſich durch die Lautſprache ausdruͤcken kann, ſo wird ſie ſparſamer angewendet, nie aber ganz beſeitigt, indem ſie, nach Weidner's Anſicht, immer noch den muͤndlichen und ſchriftlichen Verkehr zu unterſtuͤtzen geeignet iſt. Da die Geberde ſpaͤter, wenn das Sprechen keine Schwierigkeit mehr macht, ganz in Hintergrund treten, ja ganz aufhoͤren muß, ſo kann ich mich mit dieſer Anſicht um ſo weniger be⸗ freunden, da der Fortgebrauch der Geberdenſprache beim Reden ein Hinderniß iſt, das nicht fruͤh genug beſeitigt werden kann.—
Die Lehrgegenſtaͤnde der Anſtalt ſind deutſche Sprache, bibliſche Geſchichte, Religion, Rechnen, Weltkunde und Zeichnen. Die Realien bieten den Stoff fuͤr den Sprachunterricht dar, ſpaͤter aber wird das fuͤr Taubſtumme Wiſſens⸗


