Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : 1. Heft
Entstehung
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verlaͤngert, oder abgekuͤrzt. Privatpenſionaͤre ſtellen ihre Betten ſelbſt, die Staatspenſionaͤre finden ſie in der Anſtalt. Fuͤr die Bekleidung bemittelter Kinder ſorgen die Eltern, armen wird ſie aus oͤffentlichen Mitteln geſtellt. Bei der Aufnahme in das Inſtitut bringt das Kind einen vollſtaͤndigen Anzug mit, ſpaͤter werden die Anſchaffungen auf Koſten der Eltern beſorgt und koͤnnen dieſe jaͤhrlich 12 bis 16 Thlr. betragen. Die Winterkleidung der Knaben beſteht aus Tuch, der Sommeranzug in Jacke und Hoſe von Turnleinen; bei den Maͤdchen aus verſchiedenfarbigen Zeugen, im Winter aber, wie bei den Knaben, aus wollenen Stoffen. Die Behandlungsweiſe zwiſchen den Staats- und Pri⸗ vatpenſionaͤren iſt in jeder Beziehung eine gleichfoͤrmige, der Unterricht bei allen gleichmaͤßig und ſein Zweck Bildung zu guten, brauchbaren Menſchen.

Die Tagesordnung der Anſtalt iſt folgende: die Zoͤglinge ſtehen um 6 Uhr Morgens auf und gehen nach 9 zu Bett. Nach dem Aufſtehen folgt das Waſchen, das Reinigen der Kleider und vollſtaͤndiges Anziehen. Das Fruͤhſtuͤck wird um 7 Uhr gereicht und beſteht in Milch, zuweilen auch in duͤnnem Kaffe und Weck. Nach dem Fruͤhſtuͤcke bereiten ſich die Kinder auf den Unterricht vor. Nach den erſten zwei Stunden Unterricht, von 8 10 Uhr, bekommen ſte ein Butterbrod zum zweiten Fruͤhſtuͤcke und um 1 Uhr das Mittageſſen, in Suppe, Nindfleifch und Gemuͤſe beſtehend. Bis 2 Uhr iſt dann Freiſtunde, von 2 bis 4 Unterricht, dann Vesperzeit, wo jedem Kinde wieder ein Butterbrod gereicht wird. Die uͤbrige Zeit des Tages wird theils dem Spiele, theils der Gartenarbeit und dem Turnen gewidmet, welch letztere Uebung der Sohn des Directors zur Zeit meiner Anweſenheit zu leiten beauftragt war. Um 7 Uhr erhalten die Zoͤglinge zum Abendeſſen Suppe und Gemuͤſe; dann ſind wieder freie Beſchaͤftigungen bis zum Schlafengehen. Zur Erholung im Freien werden beſondere Spaziergaͤnge gemacht, vorzugsweiſe die Sonntage dazu benutzt und bei dieſen Motionen die Zoͤglinge mit einigen Erfriſchungen erheitert.

Die Oekonomie des Hauſes fuͤhrte fruͤher die Gattin des Directors, ſeit dieſelbe aber todt iſt, wird ſie von ſeinen Toͤchtern beſorgt und werden die Maͤdchen unter deren Aufſicht theils in weiblichen Handarbeiten geuͤbt, theils zu den verſchiedenen weiblichen Hausverrichtungen angeleitet. Herr Weidner hatte die Guͤte, mir die innere Einrichtung des Hauſes, beſonders die Schlaf⸗