Aufsatz 
Zeitgemäße Wünsche und Vorschläge zu einer zweckmäßigen Behandlung der Taubstummen nach dem Austritte aus dem Institute
Entstehung
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Selbſt die Geiſtesſchwachen und Traͤgen ſuche man in geeigneter Weiſe an⸗ zuregen und unterrichtlich zu beſchaͤftigen, damit wenigſtens geiſtige Ruͤckſchritte, ein gaͤnzliches Vergeſſenwerden des, wenn auch Weniggelernten, ein totales Ver⸗ ſinken in den alten, unwiſſenden, geiſtigarmen Zuſtand verhuͤtet werde. Werden dieſe Geiſtigarmen nur einigermaßen von der Umgebung, in welcher ſie leben, angeregt, ermuntert, wird eine Selbſtbethaͤtigung moͤglichſt in ihnen gefoͤrdert; ſo iſt das gewißlich ein groͤßerer Gewinn fuͤr ſie, als wenn man ihr pflanzenhaftes Daſein mit leiblicher Speiſe fuͤttert, um ihnen fuͤr eine gequaͤlte Reihe von Jah⸗ ren das traurige Leben zu friſten. Denn es iſt wohl zu beachten, daß Stileeſte⸗ hen im Gebiete geiſtiger Kultur ſchon mehr als Ruͤckſchritt iſt, vor dem wir un⸗ gluͤckliche Nebenmenſchen zu verwahren die Pflicht haben. Wenn es einerſeits Pflicht iſt, daß Eltern, Geſchwiſter, Bekannte und Verwandte fuͤr das geiſtige Weiterkommen ihrer angehoͤrigen Taubſtummen im haͤuslichen Kreiſe ſorgen, und ihnen hier durch alle zu Gebote ſtehende Mittel Anregung und Belehrung ver⸗ ſchaffen, damit das im Inſtitute Gelernte nicht wieder verkuͤmmert oder gar ver⸗ geſſen werde; eben ſo pflichtgemaͤß duͤrfte es erſcheinen, daß auch die Herrn Geiſtlichen und Lehrer ſolcher Orte, wo Taubſtumme ſind, den Eltern mit Rath und That zur Hand gehen, ſo die wohlthaͤtige Sache unterſtuͤtzend foͤrdern, beſon⸗ ders da, wo dieſe Bemitleidswerthen in Armuth ſchmachten, mithin von den Ih⸗ rigen, ſelbſt in Noth darbend, in keiner Weiſe Hilfe hoffen koͤnnen, und wir hal⸗ ten uns uͤberzeugt, daß der von vielem Dankgefuͤhle durchdrungene Taubſtumme, wodurch ſich dieſe Ungluͤcklichen vor den Vollſinnigen in der Regel auszeichnen, dieſe wohlthaͤtige Hilfe mit dankender Freude hinnehmen, auch durch Fleiß und aufrichtige Folgſamkeit ſich ihrer wuͤrdig zeigen werde.

Wie fuͤr die Fortbildung des Geiſtes, ſo iſt fuͤr die gewerbliche Ausbil⸗ dung und das aͤußere, gute Fortkommen der Taubſtummen nach dem Aus⸗ tritte aus der Anſtalt noch Vieles zu thun; denn die Erfahrung lehrt, daß auch in dieſer Ruͤckſicht den Armen noch wenig geholfen wird, wenn ihnen grade nicht ein guͤnſtiger Umſtand hilft. Durch den in der Anſtalt eingefuͤhrten Indu⸗ ſtrie-Unterricht wird zwar eine gewiſſe techniſche Bildung vorbereitet und begruͤn⸗ det, vorzugsweiſe bei den weiblichen Zoͤglingen, doch kann dieſelbe, bei der Kuͤrze der Unterrichtszeit in der Anſtalt nicht vollendet, oder den Ungluͤcklichen diejenige