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tung mit Andern vorzieht, im Umgange mit ſeinen Ungluͤcksgenoſſen ſogar noth⸗ gedrungen anwenden muß, was man hie und da im Gebiete der Taubſtummen⸗ Unterrichts⸗Literatur gegen die Mittheilung durch Geberdenzeichen auch immerhin einzuwenden verſucht hat. Niemals wird man ſie ganz verdraͤngen koͤnnen, bei ſchwachſinnigen Taubſtummen iſt ſie gar nicht zu entbehren, und ich denke: es kann nicht im mindeſten ſchaden, wenn der Taubſtumme ſeinen muͤndlichen Mit⸗ theilungen entſprechende Mienen und Geberden beifuͤgt, was ja bei mehr Verſtaͤnd⸗ lichkeit ſeinem monotonen Sprechen auch einiges Leben gewaͤhrt, und einigermaßen das erſetzt, was er durch Betonung nicht auszuſprechen im Stande iſt*).
*) Die Geberdenſprache iſt nicht allein deshalb wichtig, weil ſie ein Mittel iſt, durch welches wir ſchneller die Verſtandeskraͤfte entwickeln, ſondern auch weil wir durch ſie fruͤhzeitig auf das Gemuͤth des Taubſtummen einwirken können, da durch ſie Leben und Waͤrme in den Unterricht gebracht wird.— Ich mache mit unbeſtreitbarem Rechte an den Unterricht der Taubſtummen, wie an jeden andern Unterricht, die Forderung, daß er lebendig ſein ſoll. Ausdruck in Sprache und Darſtellung iſt eines Theils ein Zeichen der Lebendigkeit des Leh⸗ rers, und pflanzt andern Theils dieſe auf die Schuͤler fort. Bei dem Lehrer der Hoͤrenden iſt Modulation der Stimme hierbei eine Hauptſache, doch bedarf er dabei auch einer gehoͤri⸗ gen Geſticulation. Der trockene, monotone Vortrag eines unbeholfenen, ſteifen Redners und Lehrers laͤßt Zuhoͤrer und Schuͤler kalt, bringt Langeweile und Schlaf, und wo das iſt, kann aus dem Unterrichte keine gute Frucht erwachſen. Das Todte muß im Unterrichte moͤglichſt vermieden werden, und es iſt leicht zu entſcheiden, auf welche Art dies im Unterrichte Taubſtummer geſchehen kann. Neben innerer Begeiſterung fur ſein Wirken, und der paͤ⸗ dagogiſchen Faͤhigkeit, nur der Individualitaͤt des Zöglings Angemeſſenes zu bringen, fuͤhrt lebendige, natuͤrliche Geberdenſprache zum Ziele. Nur in dieſer koͤnnen wir lebendig zu dem Taubſtummen reden, weil er nur das gehoͤrig aufzufaſſen im Stande iſt, was lebendig in ſeinen Geſichtsſinn fällt. Die Lautſprache gibt ihm keinen Ton, mag auch die Bewegung ſeiner Sprachorgane, wenn er artikulirt, auf ſein Gefüͤhl einen Eindruck hervorbringen— die Modulation der Stimme koͤnnen wir ihm nicht begreiflich machen. Dies zeigt die Er⸗ fahrung an der ſtets monotonen Ausſprache der Taubſtummen. Soll ihm alſo der Unterricht des Lehrers das werden, was die Rede von Mund zu Ohr dem Hoͤrenden iſt; ſo muß die Geberdenſprache in ihrer ganzen Lebendigkeit hervortreten. Sie allein ſetzt den Lehrer in den Stand, ſeinen Zoͤgling recht lebendig in dem Unterrichte zu erhalten, und beſonders da die gehoͤrige Waͤrme in ihn zu bringen, wo ohne Begeiſterung kein Segen iſt in dem Theil⸗ des Unterrichts, welcher die Bildung ſeines Gemuͤths zur Religion begreift.


