Aufsatz 
Zeitgemäße Wünsche und Vorschläge zu einer zweckmäßigen Behandlung der Taubstummen nach dem Austritte aus dem Institute
Entstehung
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die er alſo verſtanden und begriffen hat, wiederholt zu memoriren, um ſie in der naͤchſten Stunde muͤndlich herſagen oder auf ſeine Tafel ſchreiben zu koͤnnen. Die Aufgabe gebe man ihm etwa mit dieſen Worten: Du ſollſt dieſes lernen; du ſollſt es in der naͤchſten Unterrichtsſtunde ſprechen und ſchreiben, nachdem ich dich gefragt haben werde. Hier ein Beiſpiel uͤber Fragen, wie ſie der Lehrer ſtellen muß, um vom Taubſtummen verſtanden zu werden: Welche Pflichten haſt du gegen Gott zu erfuͤllen?= Wie heißen die Pflichten gegen Gott? A. Ich ſoll Gott uͤber Alles lieben. Ich ſoll Gott gern gehorchen. Ich ſoll ihm fuͤr alles Gute danken. Ich ſoll ihn verehren, ihm vertrauen, zu ihm beten. Wenn liebſt du Gott? Wenn gehorchſt du ihm? Wenn dankſt du ihm? Wenn ver⸗ trauſt du ihm? Wie ſollſt du ihm gehorchen? danken? vertrauen? zu ihm beten? Um welche Guͤter ſollſt du ihn bitten? ꝛc. Wie heißen die Pflichten gegen andere Menſchen= deine Mitmenſchen= die Naͤchſten? gegen dich ſelbſt? So laſſe man alle Pflichten im einfachen Satze einzeln aufzaͤhlen, und verfahre in aͤhnli cher Weiſe auch im Gebiete der Glaubenslehre. Hiemit iſt bibliſche Geſchichte zu verbinden, welche der Schuͤler lieſt, auswendig lernt, und ſich die guten Leh⸗ ren daraus fuͤr ſein Denken und Handeln aneignet.

Auch im Geographie⸗Unterrichte kann jeder Lehrer mit dem aus dem Inſti⸗ tute entlaſſenen Taubſtummen Uebungen anſtellen zur Wiederholung, Befeſtigung und Erweiterung ſeines Wiſſens und ſeiner gewonnenen Sprachbildung, wozu ihm die Hefte des Schuͤlers, im Inſtitute geſammelt und gebraucht, als Wegweiſer dienen koͤnnen*).

Daurch oͤfteren Umgang mit dem gebildeten Taubſtummen wird der beobach⸗ tende Lehrer auch lernen, wie man ſich mittelſt der natuͤrlichen Geberdenſprache, der Mutterſprache des Taubſtummen, verſtaͤndlichen und dergeſtalt anregend, be⸗ lehrend und bildend auf ihn einwirken kann; immer jedoch iſt die muͤndliche Aus⸗ drucksweiſe jeder andern vorzuziehen, weil ſie als allgemein verſtaͤndliches Ver⸗ kehrsmittel fuͤr's Leben paßt, und ihm am Beſten zurechtfinden hilft, wenn gleich jeder Taubſtumme die Geberdenſprache als Mittheilungsmittel in ſeiner Unterhal⸗

²) Zur Förderung der wohlthaͤtigen Sache ſollte man die Remuneration ſolcher Lehrer, welche elnen Taubſtummen unter ihre Sonntags⸗ oder Abendſchüler aufnehmen, durch eine der Ar⸗ beit angemeſſene Zulage erhoͤhen. 2 2