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der Religioſitaͤt und ſittlichen Vollkommenheit zugaͤnglicher mache. Man hat des⸗ halb eigene Andachtsbuͤcher fuͤr dieſe Ungluͤcklichen verfaßt als religioͤſen Weg⸗ weiſer fuͤr ihr Leben, allein was in dieſer Hinſicht geliefert worden, iſt noch nicht ausreichend; nichts geht uͤber das lebendige, belebende Wort, nichts erſetzt die ſeelenvolle, herzerwaͤrmende Belehrung, in welcher Ruͤckſicht nur der in der Schule gereifte Lehrer am beſten lehrend und ermahnend auf dieſe Gluͤcksloſen einwirken kann, da nur der mit ihrer Sprach⸗ und Denkweiſe Vertraute ihr oft kaltes Ge⸗ muͤth anzuregen, zu beleben und zu erwaͤrmen im Stande iſt. Indeſſen kann an⸗ naͤherungsweiſe auch fuͤr ſie in dieſer Beziehung etwas mehr geſchehen als ſonſt, wenn man nur bedenken und beherzigen will, daß ſich die Gluͤcklichen uͤber die Ungluͤcklichen erbarmen ſollen; und eben hier ſind es wieder die Sonntags⸗ und Abendſchulen, wo fuͤr die religioͤs-ſittliche Bildung der Taubſtummen etwas ge⸗ than werden koͤnnte; was um ſo erwuͤnſchter erſcheint, da mit dem Austritte aus dem Schulverband dieſer ſo wichtige Unterricht fuͤr ſie faſt ganz aufhoͤrt, indem außer den mehr oder weniger haͤuslichen Anregungen in dieſem Betrachte, der oͤffentliche Gottesdienſt ihnen wenige oder gar keine Belehrung darbietet und dar⸗ bieten kann.— Auch in dieſem Gebiete verfahre der Lehrer ganz einfach, ſtelle die Fragen leicht und faßlich, die der Ungluͤckliche gewiß verſtehen und beantwor⸗ ten wird, falls ſie ſeine Faſſungskraft nicht uͤberſteigen und die darin vorkom⸗ menden Wahrheiten ihm in ſeinem fruͤheren Religionsunterrichte ſchon bekannt geworden ſind. Dabei bethaͤtige mau eine das Gemuͤth des Taubſtummen an⸗ ſprechende Lebendigkeit und Waͤrme, ſo wie in Betracht der Heiligkeit des Ge⸗ genſtandes frommen Ernſt, der ſich in hoher, gotterfuͤllter Begeiſterung bekunden muß. Was von Herzen kommt, das geht zu Herzen, und eine von tiefer, heili⸗ ger Waͤrme erregte Anſprache geht und dringt zum Herzen.
Außer den in unſern Schulen eingefuͤhrten confeſſionellen Katechismen koͤn⸗ nen dem Lehrer ein Wegweiſer in dieſer Beziehung ſein die Religionshefte, nach welchen der Taubſtumme im Inſtitute unterrichtet worden iſt, die er da gebraucht⸗ ſich geſammelt und liebgewonnen hat. Will man dieſe Hefte benutzen, ſo nehme man einen der Faſſungskraft des Schuͤlers angemeſſenen Theil Fragen vor, laſſe ihn dieſe, ſo wie die ihnen entſprechenden Antworten laut leſen, und gebe ihm auf: Dieſe Wahrheiten, welche ihm fruͤher im Inſtitutsunterrichte erklaͤrt worden ſind,


