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ſchriftlich, mit der Weiſung: Du ſollſt dies fuͤr die naͤchſte Unterrichtsſtunde ausarbeiten.
Spricht man zum Taubſtummen langſam, moͤglichſt ausgepraͤgt, die Woͤrter in ihren Silben gehoͤrig abſetzend, in aͤhnlich ausdrucksvoller, beſtimmter Weiſe, wie man auch zu vollſinnigen Kindern ſprechen muß, wenn man verſtanden ſein will; ſo wird man bald wahrnehmen, daß derſelbe den Lehrer verſteht und das Abge⸗ ſehene oder Geſprochene entweder nachſpricht, oder, falls er mit Schreibzeug ver⸗ ſehen iſt, niederſchreibt. Der Satz: Der Taubſtumme traͤgt ſein Gehoͤr in den Augen, wird dann hier zur evidenten Wahrheit. Behufs beſſerer Aneignung und Befeſtigung der Sprache, ſowie zur Belebung und Staͤrkung des Sprachtriebs, iſt es dann weiter ſehr gut, wenn man den Taubſtummen das, was er ſpricht, auch zugleich ſchreiben laͤßt, um durch dieſe Uebung Fertigkeit und Gewandtheit im ſchriftlichen Ausdrucke zu erſtreben. Sobald er die Frage richtig beantwortet oder der Lehrer ihm die verkehrt gegebene Antwort berichtigt hat, werde er jedes⸗ mal angehalten, die Frage, die Aufgabe, die Antwort laut zu leſen, weil dies ſeine Sprachorgane, die ſonſt aller Uebung ermangeln, uͤbt, ſeine Lungen ſtaͤrkt, auch ſeine monotone, nicht ſelten ohrwidrige Ausſprache die gehoͤrige Deutlichkeit, ja ſelbſt mehr Natuͤrlichkeit gewinnt; und dann ſind dieſe Sprechuͤbungen bei Taubſtummen gleichſam als eine Gymnaſtik der Sprachorgane zu betrachten, was eben fuͤr ſie von großer Wichtigkeit iſt.
Da die Ausbildung der Lautſprache, in Abſicht auf des Taubſtummen Den⸗ ken und gutes Fortkommen, von der groͤßten Wichtigkeit iſt, weil es beides un⸗ gemein foͤrdert; ſo muͤſſen die Uebungen im Sprechen mit eben ſo vielem Fleiße als einer gewiſſen Genauigkeit und Ausdauer angewendet und fortgeſetzt werden; weil nur das Sprechenkoͤnnen den Taubſtummen befaͤhigt, ſich ſchnell, leicht und ſicher im Verkehr mit Vollſinnigen zu helfen, waͤhrend ſeine Zeichenſprache nicht Jedermann bekannt und verſtaͤndlich iſt, die ſchriftliche Unterhaltung im taͤglichen Lebensverkehr wegen ihrer Umſtaͤndlichkeit und bei dem Ermuͤdenden, was ſie hat, aber nicht wohl anzuwenden iſt.— Dieſer Wichtigkeit eingedenk, iſt es auch in der Anſtalt unſer Hauptbeſtreben: Das Band der Zunge geiſtig zu loͤſen, und das Gehoͤr in die Augen zu legen, weil nur dadurch die Taubſtummen den Voll⸗ ſinnigen und dieſe ihnen zugaͤnglich werden.


