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Bildung, beſonders in ſprachlicher Hinſicht, durch eine ſechsjaͤhrige Unterrichts⸗ dauer, wenigſtens bei der Mehrzahl der Ungluͤcklichen, noch nicht erzielt werden kann, daß in dieſer Beziehung vielmehr noch viel zu wuͤnſchen uͤbrig bleibt, wenn man, wie es das goͤttliche Geſetz vorſchreibt, auch im Taubſtummen die Perfecti⸗ bilitaͤt beachten will.—
Beim Uebertritt des taubſtummen Zoͤglings in das buͤrgerliche Leben— in die Welt— iſt daher ſehr zu wuͤnſchen, daß ihm dieſes, dem goͤttlichen Principe geiſtigen Fortſchritts huldigend, ſeine Weiterbildung moͤglich mache in aͤhnlicher Weiſe, wie dies auch bei vollſinnigen Menſchen der Fall iſt; und was man gleich⸗ ſam als eine Ergaͤnzung des Schulunterrichts betrachten kann. Iſt doch das Le⸗ ben außer der Schule die anregendſte, einflußreichſte und eine allſeitige Schule des Menſchen, ohne welches er doch immer fremd unter Lebenden daſtehen wuͤrde! In dieſem Lebensverhaͤltniſſe geſchieht aber ſelten das, was fuͤr den Ungluͤcklichen geſchehen ſollte und koͤnnte und, wenn der Schulunterricht den beabſichtigten Nutzen ſtiften, wenn er gute Fruͤchte tragen ſoll, nothwendig geſchehen muͤßte. Als Er⸗ gaͤnzung einer fruͤhern Andeutung uͤber dieſen Punkt moͤge daher zu wohlwollen⸗ der Beachtung der Taubſtummenfreunde unſeres Vaterlandes noch Folgendes dienen.—
Der Taubſtumme ſoll, wie oben bemerkt, durch den Unterricht in der Anſtalt ſich das Noͤthigſte und Wiſſenswuͤrdigſte der Elementarſchulkenntniſſe aneignen, was alſo die nothwendigſte Elementarſchulbildung bedingt. Iſt dieſes Ziel er⸗ ſtrebt, wenn gleich im nothduͤrftigſten Grade, und dies iſt ruͤckſichtlich des vor⸗ handenen Gebrechens bei mittelmaͤßigen Geiſtesanlagen bei Vielen der Fall; ſo ſoll er zuruͤcktreten in's buͤrgerliche Leben. Da aber, gemaͤß ſeiner Individualitaͤt, dann ſeine Ausbildung noch nicht vollſtaͤndig, viel weniger vollendet ſein kann, wie dies ja bei keinem aus dem Elementarunterrichte entlaſſenen Kinde der Fall iſt, ſo iſt es zur Foͤrderung des guten Zweckes, von nun an die Aufgabe und Verpflichtung der buͤrgerlichen Geſellſchaft, ihr aufgenommenes gehoͤrloſes Mitglied auf dem bereits betretenen und vorangeſchrittenen Entwickelungs⸗ und Bildungs⸗ wege zu unterſtuͤtzen, das heißt: ihm die Gelegenheit und Mittel zum Fortlernen und Sichweiterbilden zu verſchaffen, was bei dem jetzigen Stande des Elementar⸗ ſchulweſens, das auch in Bezug auf den Taubſtummen⸗AUnterricht recht viel Be⸗


