wird darum dem Taubſtummen immer ſehr willkommen und fuͤr das gegenſeitige Verſtaͤndniß erleichternd ſein. 1
Hieraus ergibt ſich alſo auch wieder die Unentbehrlichkeit der Geberden⸗ ſprache im Taubſtummenunterrichte; ſtets iſt ſie das erſte Verſtaͤndigungsmittel zwiſchen Lehrer und Schuͤler, ſowie ein Veranſchaulichungsmittel im Beſondern, und man muß ihr in dieſer Beziehung immerhin ihr Recht laſſen, wiewohl es moͤglichſt einzuſchraͤneon iſt. Sachkundige, durch langjaͤhrige Erfahrung unterrich⸗ tete Taubſtummenlehrer ſind hieruͤber laͤngſt im Reinen; der Gegenſtand, fruͤher oft beſtritten, iſt unter ihnen keine Streitſache mehr. Man hat die erfreuliche Erfahrung gemacht, daß das Leben und wahrſcheinlich die Noth die Taubſtum⸗ men in der Lautſprache foͤrdert, uͤbt und weiter bringt. Dies beweiſt thatſaͤch⸗ lich der Umſtand, daß die enklaſſenen Zoͤglinge, welche ſpaͤter die Anſtalt wieder beſuchen, nicht deutlicher und gelaͤufiger ſprechen, als zur Zeit ihrer Unterrichts⸗ jahre, beſonders dann, wenn die Schule einen guten Grund gelegt hatte.
Es geht aus dem Bisherigen hervor, daß man nicht die Schriftſprache zur eigentlichen Taubſtummenſprache machen, ſondern des Verkehrs wegen dem Taub⸗ ſtummen vorzugsweiſe die Lautſprache, inſofern er die gehoͤrige Organbildung dazu beſitzt, moͤglichſt vollſtaͤndig anbilden ſoll, ſo daß ſie ihm das wird, was ſie dem Hoͤrenden iſt; weshalb wir auf die Ausbildung derſelben unausgeſetzten großen Fleiß verwenden.
Andeutungen des Verfahrens bei dem Sprachunterrichte.
Der Sprachunterricht ſtellt uns die Aufgabe, den Taubſtummen durch eine ſeiner Individualitaͤt augemeſſene Unterrichtswriſe in den Beſitz unſerer Sprache zu ſetzen, ſo daß er behufs dieſer Sprache denkt und ſpricht und das Geſpro⸗ chene verſteht, wie wenn er ein Vollſinniger waͤre. Dem Zwecke der Elementar⸗ ſprachbildung eingedenk, haben wir daher unſerem Schuͤler eine Sprache zu ge⸗ ben, wie ſie das vollſinnige Kind beim Eintritte in die Schule zum Theil ſchon beſitzt, zum Theil aber in derſelben noch ergaͤnzend lernt. Iſt der Taubſtumme durch unſer Lehrverfahren zu einer ſolchen Sprachbildung gelangt, daß er die Formen unſerer Sprache und die durch dieſelben dargeſtellten Vorſtellungen,
4


