Aufsatz 
Über das Historische und Unterrichtliche der Anstalt, mit besonderer Beziehung auf den Sprachunterricht
Entstehung
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Vortheil, wenn ſie hier ihre natuͤrliche Geberdenſprache mit Worten begleiten konnen, weil ſie dann um ſo beſſer verſtanden werden. Hauptſache iſt ja hier das Verſtandenwerden und nicht ein aͤſthetiſches Sprechen. Wenn man es fuͤr Pflicht haͤlt, Schwerhoͤrige und Schwerſprechende anzuhoͤren und bemuͤht iſt, ſie zu verſtehen, ſo haben die ungluͤcklichen Taubſtummen um ſo mehr Anſpruͤche von uns zu fordern, daß wir ſie anhoͤren und uns aus ihrer unvollkommnen, mit unſaͤglicher Muͤhe erlernten Sprache Verſtaͤndniß verſchaffen, rud wenn wir auch immer auf eine ſchwerfaͤllige Weiſe durch dieſelbe mit ihnen verkehren koͤnnen.

Fuͤr den Unterricht in der Lautſprache ſpricht auch der Umſtand, daß wir bei Vollſinnigen jeder ſchriftlichen Unterhaltung die ſchnelle und ſichere muͤndliche, die keiner Schreibzeuge bedarf, immerhin vorziehen. Ein hoher Vorzug der Laut⸗ ſprache iſt endlich der, daß ſie in der gedanken⸗ und ſpracharmen Seele des Taubſtummen die Begriffe erſt auf die Dauer firirt, waͤhrend ſie durch die Ge⸗ berdenſprache aufgefaßt, nicht lange haften, ſondern bald wieder ſchwinden. Ueber⸗ dies iſt die Schriftſprache nur auf dem Papiere, nicht aber in deſſen Ermange⸗ lung vorſtellbar, daher zur Unterhaltung nicht ausreichend. Wie ſchwer muͤßte es dem Taubſtummen werden, unſere ganze Wortſprache durch bloſes Anſchauen und Geberdenzeichen ohne Lautſprache zu erlernen. Nur Kindern von ganz vor⸗ zuͤglichen Geiſtezgaben(ſolch' vorzuͤglich Begabte gibt es nur wen ge) koͤnnte die Erlernung derſelben auf ſolchem Wege gelingen! Hieraus ergibt ſich die unab⸗ weisbare Nothwendigkeit, den Taubſtummenunterricht uͤberhaupt auf die Laut⸗ ſprache zu baſiren und, wie bemerkt, die natuͤrliche Geberdenſprache nur in Noth⸗ fäͤllen, ſowie bei der Entwickelung abſtracter Begriffe anzuwenden, wo ſie, was man auch dagegen einwenden mag, nicht entbehrt werden kann. Ich moͤchte Jei⸗ nen Taubſtummenlehrer ſehen, welcher ſeine taubſtummen Schuͤler ohne alle pan⸗ tomimiſche Bezeichnung und ohne Mimik Moral und Religion lehren wollte! Fuͤrwahr er wuͤrde im wahren Sinne des Wortes tauben Ohren predigen! Fer⸗ ner iſt zu bedenken, daß das Verſtehen mittelſt des Abſehens doch immer etwas Unvollkommenes bleibt, weil nicht alle Menſchen die gebildete Sprache und ſo ausgepraͤgt ſprechen, daß der Taubſtumme ihre Sprache erſehen und verſtehen kann. Die Begleitung der Lautſprache von einer natuͤrlichen Geberdenſprache