Aufsatz 
Über das Historische und Unterrichtliche der Anstalt, mit besonderer Beziehung auf den Sprachunterricht
Entstehung
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Luft beſtimmt, die aus der Lunge durch Mund und Naſe als Hauch ſtroͤmend, beim Reden des Menſchen eine Veraͤnderung erleidet, welche man durchs Ge⸗ fuͤhl an der vor den ſprechenden Mund gehaltenen Hand wahrnehmen und nach⸗ ahmen kann. Die Bewegung der Sprachorgane waͤhrend des Redens bildet den ausſtroͤmenden Hauch zu beſtimmten Lauten, die dem Taubſtummen behufs des Sprechenlernens durchs Vormachen entlockt werden muͤſſen. Sache des Lehrers iſt es dabei, dem Schuͤler jede einzelne Bewegung und Stellung. der Organe fuͤr jeden einzelnen Laut durchs Geſicht und Gefuͤhl wahrnehmbar zu machen und ihn dann zur Nachahmung des Wahrgenommenen zu veranlaſſen. Es kann dem Taubſtummen nicht ſchwer fallen, ſeine Organe eben ſo zu bewegen, zu ſtellen und die durch dieſe Stellung bedingte Luftausſtroͤmung zu bewerkſtelligen, wie der Lehrer thut, um den Laut hervorzubringen, und durch dieſe Operation muß das Lautiren bei Taubſtummen gelingen. Sie muͤſſen ſo gleichſam das Gehoͤr in den Augen tragen, und deßhalb pflegt man auch zu ſagen, das Auge erſetzt dem Taubſtummen das Ohr.

Die weſentlichen Organe bei der Articulation der Vocale ſind die Lunge, der Luftroͤhrenkopf, die Zunge und die Lippen; die Verſchiedenheit dieſer Laute hat ihren Grund in der groͤßeren oder geringeren Oeffnung des Mundes, im Vorſchieben oder Zuruͤckziehen der Zunge und im Heben oder Senken des Kehl⸗ kopfs. Das laute Toͤnen, die Stimme oder der klingende Weg, den die Luft durch die Stimmritze nimmt, kann gehoͤrt aber auch gefuͤhlt werden; wie der Hoͤrende die Toͤne durchs Gehoͤr vernimmt, ſo muß ſie der Taubſtumme durch das Auge und Gefuͤhl auffaſſen. Man kann z. B. durch's Gefuͤhl unterſcheiden, ob Jemand laut ſpricht oder nicht und kann auch dies nachahmend, ein Toͤnen oder eine Bebung der Stimmritze hervorbringen. 1

Der Vocal a iſt der leichteſte Laut unſerer Stimme, er wird bei der na⸗ tuͤrlichſten und bequemſten Lage der Sprachorgane gebildet, weshalb wir behufs der Articulation der Vocale von der Mundſtellung des Grundlautes a ausgeheu und alle andere darnach beſtimmen. Wird die Mundoͤffunng erweitert, ſo ſchiebt ſich die Zunge vor und der Kehlkopf hebt ſich; wird ſie verengt, ſo zieht ſich die Zunge zuruͤck, und der Kehlkopf ſenkt ſich. Aus dieſer Operation entſtehen zwei