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gluͤcklichen, denen man nicht beikommen koͤnne, bei welchen Unterricht und Hilfe vergeblich ſeien.— Wie aber uͤberhaupt der Volksunkerricht in den fruͤheſten Zeiten ſehr mangelhaft und unvollkommen geweſen iſt, und erſt ſpaͤter die Ge⸗ ſtalt einer Kunſt angenommen hat; ſo mußte um ſo mehr die Bildung der Taub⸗ ſtummen zuruͤckbleiben, da dieſelbe weit mehr Anſtrengung, Fleiß und Geduld er⸗ fordert, als der Unterricht Vollſinniger, zu deren Seelen alle Bildungswege offen ſtehen. Wenn man bedenkt, wie ungemein ſchwierig es iſt, den Taubſtummen, welcher das Gehoͤr, einen der geiſtigſten Sinne, entbehrt, durch einen auf ſein Gebrechen berechneten kuͤnſtlichen Unterricht unſerer Sprache und der davon be⸗ dingten geiſtigen Bildung theilhaſtig zu machen, und ihn auf dem einzigen Wege der aͤußeren Anſchauung durch ſein Auge ins Gebiet abſtrakter Begriffe zu fuͤh⸗ ren; ſo begreift mau, wie dieſer Unterricht bis in die neueren Zeiten ganz ver⸗ ſaͤumt werden konnte.
Wie aber nach und nach die Menſchen muͤndig wurden, wie ſie mit dem Alter der Welt in Kenntuiſſen, in Kuͤnſten und Wiſſenſchaften aller Art unge⸗ heure Fortſchritte machten, da wurde auch die Menſchenbildung, insbeſondere der Volksunterricht, als ein Gegenſtand von hoͤchſter Wichtigkeit angeſehen, und in ſolch' edlem Streben einer ſich entfeſſelnden Zeit konnte der Taubſtumme in ſei⸗ ner traurigen Lage, einem vegetirenden Thiere vergleichbar, nicht uͤberſehen wer⸗ den. Man uͤberzeugte ſich von der Moͤglichkeit ſeiner Bildung, lernte die hohe Wichtigkeit derſelben immer mehr einſehen und erkannte damit auch die heilige Verpflichtung, dem Ungluͤcklichen die Wohlthat eines auf ſeine Individualitaͤt be⸗ rechneten Unterrichtes angedeihen zu laſſen.
Geruͤhrt von der jammervollen Lage der Armen machten edle Menſchen⸗ freunde hie und da Verſuche, Taubſtumme zu unterrichten, was verkehrt denkende Menſchen jedoch als Eingriffe in die Rechte des Schoͤpfers anſehen wollten und als ein Werk finſterer Maͤchte betrachteten. Doch das Licht der Wahrheit ſiegte uͤber die Vorurtheile einer finſteren, unwiſſenden Zeit.
Den erſten Verſuch dieſer Art machte Pietro Ponce, ein ſpaniſcher Be⸗ nediktinermoͤnch aus dem Kloſter S. Salvatore zu Ogna, welcher zu Ende des ſechzehnten Jahrhunderts Taubſtumme mit gutem Erfolge unterrichtet haben ſoll.


