Aufsatz 
Über das Historische und Unterrichtliche der Anstalt, mit besonderer Beziehung auf den Sprachunterricht
Entstehung
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In derſelben Zeit ſollen ſich in Spanien noch zwei Maͤnner Ramirez de Cor⸗ done und Peter a Caſtro mit dem Unterrichte ſtaubſtummer Kinder beſchaͤf⸗ tigt haben.

Der Englaͤnder Wilhelm Holder, ein evangeliſcher Theolog, und Dr. Johaun Wallis unterrichteten Taubſtumme im Sprechen in der letzten Haͤlfte des ſiebenzehnten Jahrhunderts, und ſpaͤter der Freiherr von Helmont und Johann Conrad Amman, ein Arzt aus Schaffhauſen und in Amſterdam lebend, welche, beſonders durch ihre Schriften anregend, in Deutſchland mehr Folge fanden. Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts mehrten ſich die Ver⸗ ſuche uͤber den Taubſtummen⸗Unterricht ſowohl in Deutſchland, als in anderu Lundern, und einzelne Lehrer machten ihre Verſuche und Methoden bekannt, wie z. B. Georg Raphael, Magiſter und Pfarrer zu Luͤneburg, deſſen Werk: die Kunſt, Taube und? Stumme reden zu lehren, 1718 zu den beſſeren aͤlteren uͤber Taubſtummen-Unterricht zu zaͤhlen iſt.

Noch aber baſirten dieſe Verſuche und Methoden nicht auf feſten Grund⸗ ſatzen; es waren immer nur ſchwache Verſuche. Erſt Samuel Heinike, Can⸗ tor iu Eppendorf, und Abbé de l'Epée behandelten den Unterricht wiſſenſchaft⸗ lich und brachten ihn in ein Syſtem. Jeder ging ſeinen eigenen Weg, Hei nike lehrte taubſtumme Kinder in der Laut- und Schriftſprache, hielt mit Recht die Lautſprache fuͤr die Grundlage der Sprachbildung des Taubſtummen; Abbe de l'Epée nur in der Schriftſprache, indem er dieſe als die Baſis des Sprach⸗ unterrichtes betrachtete, und beide wirkten mit gluͤcklichem Erfolge.

Nicht dem Franzoſen l'Epée allein, ſondern auch dem Deutſchen Hei⸗ nike gebuͤhrt alſo das Verdienſt, den Taubſtummen⸗Unterricht, wenn auch nicht erfunden, doch wiſſenſchaftlich begruͤndet zu haben, und die Gruͤnder zweier Schu⸗ len deſſelben zu werden. Im Jahre 1773, ehe l'Epée von ſeinem Unterrichte oͤffentliche Nachricht gab, machte Heinike ſoviel Aufſehen als Taubſtummen⸗ lehrer, daß der Pfarrer zu Eppendorf oͤffeutlich gegen die neue Lehre zu predigen wagte. Allein die gute Sache ſiegte; Heinike erwarb ſich durch die gluͤcklichen Reſultate ſeiner wohlthaͤtigen Wirkſamkeit einen ausgebreiteten Namen, ſo daß ihu der hochherzige Churfuͤrſt Auguſt von Sachſen 1778 nach Leipzig berief, um