Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
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ſie iſt die Natur ſeines Gottes. Darum iſt die Erkenntniß von deſſen Idee, Sitten und Beſchäftigung die nächſte Aufgabe für jeden. Er findet ſie in ſich ſelbſt und von der Erkenntniß der eigenen Natur, dem Allgemeinen, das in dem Einzelnen liegt, ſoll alſo die ganze Wirkſamkeit eines Jeden ausgehen, damit er alsdann dieſe Natur weiter einpflanze den verwandten Seelen, d. i auch ſie zum Bewußtſein bringe, von dem Schatz, den ſie in ſich tragen. Der mitgebrachte Inhalt ſoll ſich auch in ſeiner indivi⸗ duellen Form enthüllen und entfalten. Das iſt, wie mich dünkt, die eigentliche Anſchauung, die Plato in dieſem Theile folgerecht ausführt, und die immer wieder zurückführt, ſo wenig es auch dem Buchſtaben mag anzuſehen ſein, auf den geiſtigen Hintergrund in ſeiner eigenen Seele. Durch die verſchiedenen Arten der Seelen drängt ſich nunmehr erſt als klare Aufgabe ihres Wirkens die Philoſophie, als das in ihnen liegende und auszubildende Allgemeine. Nun kann Plato in dem letzten Theile den ſpeziellſten Zweck verfolgen, philoſophiſch zu zeigen, wie die Aufgabe der Philoſophie ſich löſen laße und gelöſt werden müße; der Eros kann nun die Methode der philoſophiſchen Forſchung und Mittheilung in ſich faßen. Um das zu können, muß aber nun wieder ſpeziell auf die Unterſchiede, die jede Seele in ſich ſelber hat, auf ihre eigenen Theile zurückgegangen werden, damit nunmehr der Kampf im Inneren der Seele ſich den Augen gleichſam wahrnehmbar vorſtelle.

Es wiederholt ſich in der einzelnen Seele der allgemeine Gegenſatz des wahrhaft Geiſtigen und des ſinnlich Leiblichen So muß denn auch dieſer Gegenſatz in der Erotik wiederkehren und eine philoſophiſche und eine rein ſinnliche erzeugen. Da aber nur die philoſophiſche bezweckter Gegenſtand der Darſtellung ſein ſoll, ſo muß dieſer Gegenſatz als Kampf durchgefochten werden in der philoſophiſch geſinnten Seele. Dieſe muß den gemeinen Eros, die Sinnlichkeit in ſich ſelber überwinden, um dem freien und wahren vollkommen gehören zu können. Iſt das Princip jenes die in der gegenſeitigen Anregung zur Verwirk⸗ lichung gebrachte Philoſophie, ſo iſt das Princip der Sinnlichkeit der unmittelbare Genuß. Die G1 Q der Seele erſtrebt nur jenes, die erεννμια dieſen. Es ſind die beiden Gegenſätze des wahrhaft Guten und der Luſt, die ſich auf dem ſittlichen Gebiete bekämpfen; dieſe aber muß jenem weichen. So wird in dieſem Theile die Lehre von der Dreitheilung der Seele fruchtbar gemacht und mit der vollen Entſchei⸗ dung des Kampfes fuͤr das Princip des oberſten Seelentheiles ſind denn auch von dem ſpeziellſten Ge⸗ ſichtspunkt aus die Grenzen gewonnen, die das Gebiet des Philoſophen abſcheiden von den niederen Zwecken der ſinnlichen Menſchen. Der Anfang des vorliegenden Abſchnitts hat es lediglich noch mit der Seele des philoſophiſchen Liebhabers zu thun; der Geliebte tritt noch in keine aktive Wechſelwirkung mit ihm, ſondern ſteht in der Ferne nur indirekt auregend und das gleichſehr nach dem Idealen hin, wie nach dem Sinnlichen. In dieſem weiſen Maßhalten zeigt ſich der glückliche Griff Platos, der nun wiederum den einen Liebling zum Mittelpunkt der verſchiedenartigſten Beziehungen zu machen verſteht, wie es eben nur in der mythiſchen Form möglich iſt, während die dialektiſche überall ſcheiden und das Geſchiedene für ſich betrachten müßte. Der Geliebte vereinigt in ſich die ſinnliche Leiblichkeit und jenen Abglanz himm⸗ liſcher Schönheit. Wollte jene der ιινμααα die Macht über die ganze Seele verſchaffen, ſo hat die ſtrahlende Reinheit dieſer der dενοα wiederum Kraft gegeben, ſich emporzuſchwingen zu dem Anſchauen der Ideenwelt und damit auch die Kraft, die ſinnliche Neigung ſich zu unterwerfen. Aber der Kampf iſt nicht ein einmaliger, ſondern ein fortgeſetzter, ja anfangs noch ſich ſteigernder, bis endlich das Sinnliche ſich ganz hat dem Geiſtigen unterorduen müßen, und nur mit Scheu und Ehrfurcht der Liebende dem Ge⸗ liebten zu nahen wagt. Denn der wahrhafte Philoſoph ſoll in den Ideen eine höhere Macht anerkennen, welcher er ſein ganzes Denken unterwirft. Nun erſt, nachdem der Philoſoph in ſich ſelbſt die Kraft des