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reinen Strebens vollſtändig befeſtigt und geſichert hat, iſt er im Stande, ſeine Wirkſamkeit nach Außen, auf andere Seelen auszudehnen und in ihr Nahrung für die eigene Seele zu ſuchen und zu finden; jetzt erſt naht ſich ihm der Geliebte. Damit beginnt die Philoſophie im eigentlichen Sinn Dialektik zu werden und ſich in der gegenſeitigen Mittheilung oder der Entfaltung des gemeinſamen Inhalts zu bewähren. Der Geliebte wird aktiv; aber es kommt auch von dieſer Seite eine neue Gefahr aus der vollen Hin— gabe, die der noch nicht in ſich geklärte Jüngling nur aus dunklem Drange dem gereiften Manne ent⸗ gegenträgt. Die Gegenliebe, die in ihm erwacht, hat zwar im tiefſten Grunde ganz dieſelbe Quelle, wie der philoſophiſche Trieb des Liebenden 255 C. Aber er kennt ſie nicht und in der Bewunderung der ihm eutgegentretenden Perſönlichkeit, verwechſelt er die Hingabe an die Perſon mit der Hingabe an die Sache. Die Aufgabe des Liebenden iſt es ihn hinzuführen zu dieſer und die Auswüchſe perſönlicher Zuthat abzu— ſchneiden. Damit wird ſeine Thätigkeit produktiver Art, und muß ſich richten nach den Geſetzen des philoſophiſchen Denkens, die er in ſich trägt. Damit kämen wir auf das Gebiet der philoſophiſchen Me⸗ thode, die nicht mehr Gegenſtand unſeres Mythus iſt, nachdem ſie in ihm ihre pſychologiſche Begründung ſowohl nach der inneren als der äußeren Seite gefunden hat. Da eine neue Eigenthümlichkeit der my⸗ thiſchen Form im Einzelnen des vorliegenden Abſchnitts nicht mehr hervortritt, ſo glaube ich alles weiteren Eingehens darauf mich uͤberheben zu können.
Es könnte vielleicht noch uͤbrig ſcheinen, daß ich nunmehr, am Schluße dieſes Aufſatzes, die gewon⸗ nenen Reſultate überſichtlich zuſammenſtellte, damit ſie als allgemeine Ariome in der Anwendung auf die übrigen Mythen ſich verwerthen ließen. Allein davon müßen mich dieſelben Gründe zurückhalten, die mich beſtimmten, das Wie der mythiſchen Darſtellung an einem konkreten Beiſpiele zu betrachten. Die Ver⸗ bindung des jedesmaligen Inhalts mit der Form der Darſtellung iſt in der That ſo nothwendig und doch ſo individuell, daß eine Trennung beider von einander einem unplatoniſchen Formalismus zuführen müßte. Dazu kommen die Forderungen künſtleriſcher Art, welche in den Mythen ſelbſtverſtändlich in beſonderem Grade vorwalten und einerſeits eine größere Freiheit in der Verwendung ſinnlich erfaßbarer Unterlagen mit ſich bringen, andererſeits, modificirt nach dem Zweck des Dialoges, ſeiner Anlage und ſpeziellen Be⸗ ziehungen, wiederum alle einzelnen Momente nach einem einheitlichen Mittelpunkte hindrängen. Die lebendige Anſchauung von dem Weſen platoniſcher Mythenbildung wird daher das individuelle Verſtändniß mehr fördern als alle äußerlich herangebrachten Formgeſetze. Es dürften daher die übrigen Mythen, welche ſich nach ihrer Form als ſolche zu erkennen geben, gegen die mythiſche Anſchauungsweiſe überhaupt, wie ſie Platos ganze Philoſophie durchzieht, an Wichtigkeit zurücktreten. Aus der Anerkennung dieſer That⸗ ſache, der Erkenntniß des inneren Grundes, ergibt ſich das Verſtändniß der einzelnen Erſcheinungen von ſelbſt.
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