Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
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Stärker tritt ſchon in dem folgenden Theile(252 C 253 D.) das Perſönliche hervor, der wie ſeiner äußeren Stellung, ſo ſeinem inneren Gehalte nach den Uebergang bildet zum vierten Haupttheil, indem er feſtſtellt, daß je nach der individuellen Natur des Menſchen auch der Eros eine verſchiedene Richtung und Geſtalt annehmen werde. Freilich kann die Darſtellung nicht all den mannigfachen Arten individueller Naturen nachfolgen und alle in ihrer Aeußerungsweiſe zeichnen. Es kommt nur darauf an den Satz, daß die Seelen der Menſchen individuell geartet ſeien, wieder fruchtbar zu machen und andeu⸗ tungsweiſe die Konſequenzen desſelben vorzuwerfen. Die Verſchiedenheit der Seele wird geknuüpft an die Gefolgſchaft mit einem Gott in dem Präeriſtenzzuſtand. Sie iſt alſo eine gegebene; aber man darf ſie nicht verwechſeln mit der früher behandelten, die den Unterſchied der intellektuellen Begabung abhängig machte von dem Grade, in welchem es der Seele gelungen war, die Ideen zu ſchauen. Daher handelt es ſich hier auch nicht um verſchiedene Grade in der Befähigung zur intellektuellen Seelenbildung, viel⸗ mehr haben wir es, ich möchte ſagen, mit primären Qualitäten zu thun, die eine verſchiedene Richtung der ſeeliſchen Thätigkeit bedingen und damit in allem Einzelnen eine verſchiedene Aeußerungs⸗ weiſe. Man kann nicht ſagen, daß die eine Art abſolut ſchlechter oder beßer ſei, als die andere; denn jene von Plato quantitativ erklärten Gradunterſchiede, laßen ſich innerhalb dieſer qualitativen doch noch denken. So ſtehen daher die Individualitäten, wie ſie hier gefaßt ſind, im Weſentlichen einander gleich, nur daß ein innerer Hinweis auf beſtimmte äußere Wirkſamkeit auch in der Qualität des Einzelnen ſchon liegen wird; aber in ihrer Art kann jede dieſelbe Höhe erreichen, wie die andere. Wenn ſie nun mythiſch aus der Natur der einzelnen Gottheiten abgeleitet werden, ſo liegt darin doch noch mehr, als die bloße Anerkennung der thatſächlich gegebenen Unterſchiede; es dürfte der Grund darin mitgeſehen ſein, der das Einzelne beſtimmt werden läßt durch ſeine Inhärenz in einem höheren Allgemeinen.(Vgl. 2.9 60 οτόάαια ϑμο ̈ νσσιρ μμέι ν 253 A. undν ετ᷑ s dο⁴⁶σιν ib.) Beiſpielsweiſe wird nur von den Begleitern des Zeus, des Ares, der Hera und des Apollo geſprochen. Wir haben darin einen doppelten Gegenſatz; zunächſt des Zeus und des Ares. Jene ſind innerliche Naturen, die in ſich die ganze Gewalt des Eros zuſammenſchließen und verarbeiten; dieſe nach Außen ſtrebend, thatkräftig und eingreifend in die geſellſchaftlichen Verhältniſſe. So ſind wieder die Begleiter der Hera hochſtrebend und in edlem Sinn eifrig nach Ehren und Würden zu ringen, während in den Verehrern Apollos die innere Tiefe der Empfindung vorwaltet und einen wohlgeſtimmten innerlich befriedigten, gewiß auch ah⸗ nungsreichen Seelenzuſtand wirkt. Aber allen liegen gemeine Intereſſen fern; ſie ſchöpfen die Kraft ihres Wirkens aus der Idee des Gottes, die in ihnen lebt; darum ſtehen alle im Ganzen auf einer Höhe gei⸗ ſtigen Adelſtandes. Daher nennt Sokrates im Phädon p. 85 B. ſich ſelbſt einen 4ε60:G0108.⁵⁴ G 100 Ard1oyos nicht des Zeus, wie man ſonſt hätte erwarten müßen. Wenn nun in dem voran gehenden Theile die allgemeine Menſchennatur, aber auch nur die edle, in ihrem Erfaßen der idealen Welt dargeſtellt war, ſo iſt ſie jetzt zerlegt in ihre Unterſchiede. Wir haben es alſo mit konkreten Per⸗ ſönlichkeiten zu thun; ſo muß auch das Objekt, dem ihr Streben ſich zuwendet, der Gegenſtand ihres Eros, ein perſönlicher ſein. Darum treten uns hier zuerſt konkrete Geſtalten ſchöner Knaben entgegen. Aber die Art dieſer iſt mitbeſtimmt durch jene Individualitäten. Wenn daher von dem Aufſuchen und Auswählen einer gleichgearteten Seele zum Liebling die Rede iſt, ſo iſt das eigentlich eine Fortſetzung der aligemeinen platoniſchen Anſchauung, deren Grundlage das Inhärenzverhältniß bildet und weiter ſetzt ſte ſich fort, nur aufs Genetiſche üͤbertragen, in der Aufgabe, die ſich jeder Liebhaber ſtellt, den Liebling zu bilden nach ſeiner eigenen Natur. Die Quelle der eigenen Natur liegt aber über ihn ſelbſt hinaus;

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