Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

die Dreitheilung der Seele bei ſtrikter Faßung der vorliegenden Stelle eindringen würde, die Anſicht, daß ihr präeriſtenzielles Auftreten als die in der mythiſchen Darſtellung nothwendige Anticipation eines ſpäter Gewordenen zu nehmen ſei. Plato ſcheint daher recht abſichtlich dieſe einſchneidende Bemerkung ydο 10 ⁴απνεοπ 51 B. extr. wie einen Fingerzeig zum rechten Verſtändniß hingeworfen zu haben, kurz eh er wieder auf die Dreitheilung der Seele zuruͤckkommen mußte. Man halte dagegen 249 C. 916 dονχσα⁴οςα ε⁴‿ι mQeνεοοτμαι 1 100&αοσσ dινοεια. Mit dem erſten Anſatz der wachſenden Kraft entſteht alsdann die Sehnſucht, der 7100s oder der Trieb zum vollen Innewerden des Beſitzthums, von deſſen Daſein erſt die dunkle Ahnung aufſtieg. Aber die Kraft würde wieder verſiegen, wenn nicht der Eindruck des idealen Objektes ſtets den Reiz wach erhielte, der es zum vollen Cigenthum zu machen treibt. Die Schmerzen und die Verwirrung einer Seele, die zuerſt den Weg ſelbſtändiger Forſchung ein⸗ ſchlagt, treten ſcharf hervor; der erſte Schritt treibt zu allen folgenden, denn die erſte, wenn auch noch ſchwach aufdämmernde Erkenntniß wird alsbald eine gewaltige Macht in der Seele und läßt nimmer ruhen, bis die ganze Wahrheitserkenntniß da iſt. Aber ſchon der Gedanke(ννιννν ςαχ ⁵εeοοασα ε 1..ν tάꝙttʒJ9ey) an die Erkenntniß, wie ſie dem Menſchen entgegentrat, ergriffen und feſtgehalten ward, beruhigt und beglückt, noch mehr die Hingabe an ſie ſelber 26 29 2d³2 1ατον 6iOνεϊm1mμμ⁶eοω 16ν dε̈ν⁴σσ τπ. Dieſe Hingabe ſteigert ſich darum auch zum völligen Aufgeben und Losſagen von allen anderen Beſitzthümern, mit denen das irdiſche Daſein verknüpfte. 2 ½4 11τεέμοιντꝙτι 29ε2◻Q ral ēᷣraονν π³ντ 2ένν⁶πυ α οασας.«. z. 1. 252 A. Damit iſt der Grund und die Wirkung alcia zuld τ πἀἀεοςσ 1 20e dargeſtellt. Es befremdet vielleicht, daß ich bisher von einer Per⸗ ſönlichkeit des Geliebten ganz abſah und nur das ideale Objekt als ſolches hinſtellte, und daraus Schlüße zog, die vielleicht für den erſten Blick nicht darin zu liegen ſcheinen. Allein Plato ſelbſt gibt das Recht dazu, indem er in dieſem ganzen Theile das Subſtantivum d.log oder das zweideutige Adjektivum 20, einer entſchiedenen perſönlichen Ausdrucksweiſe(ganz entſchieden nur 251 C.) vorzieht wohl nicht ohne Bedeutung. Sodann aber berechtigt vor allen Dingen die Sache ſelbſt dazu. Dieſem noch ganz allgemeinen Theile kam es nur darauf an, die menſchliche Seele und das Objekt ihrer Erkenntniß einan⸗ der gegenüberzuſtellen, um den Grund und die Wirkung des Objektes in der Seele aufzuzeigen. Dieſes Objekt ſteht ihr zunächſt gleichgultig gegenüber, d. h. es findet noch keine Wechſelwirkung Statt zwiſchen dem Liebenden und Geliebten; die Seele iſt paſſiv gegen Außen, noch nicht aktiv. Darum iſt an eine Perſönlichkeit noch nicht zu denken, vielmehr ſoll man gerade das wahre Objekt, abgeſehen von ſeiner ſinnenfälligen Einzelgeſtalt ins Auge faßen. Gleichwohl darf aber auch nicht ein Unterſchied zwiſchen dieſem und dem folgenden Theile eintreten, der die Einheit der Darſtellung aufheben wuͤrde. Das per⸗ ſönliche Intereſſe, die Lebensthätigkeit des Philoſophen muß ſich ſpäter geltend machen, wenn der Inhalt bis auf einen gewiſſen Grad errungen iſt. Alsdann muß ihm eine ſchöne Perſönlichkeit gegenüberſtehen, welche wiederum den Inhalt aus ihm aufnimmt, indem ſie den eigenen wecken und bilden läßt. Die Einheit der mythiſchen Form wäre daher durchaus unterbrochen, wäre hier offenbar nur von einem Abſtrak⸗ tum die Rede und ſpäter ſollte man überſpringen zu einer Perſönlichkeit. Daher mußte auch in dieſem Theile die ſinnliche Anſchauung, wie es der Begriff des Eros verlangte, an eine Perſönlichkeit ſich halten können und doch durfte dieſe wiederum nicht in dem Maße hervortreten, daß dadurch die Möglichkeit des tieferen Verſtändniſſes wäre abgeſchnitten worden. Dadurch wird die eigenthümlich ſchwankende Aus⸗ drucksweiſe, wie angedeutet, beſtimmt.