Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32

der Erſcheinung ſchlummert. Es trifft Alles aufs Schönſte zuſammen. Die Wiedererinnerung wäre nicht blos darum eine nothwendige Annahme, weil das 2 40 das Ganze der Ideenwelt vertritt, ſoudern der mächtige Eindruck, den das ſinnlich Schöne in der Seele des Schauenden hervorruft, bedarf ſogar ihrer, um erklärt zu werden. Und das Schöne entſpricht gewiſſermaßen auch der ganzen Menſchennatur; denn es iſt Seele und Leiblichkeit zugleich. Gerade darum hebt denn auch Plato den Geſichtspunkt leib⸗ licher Erkenntniß durch die.σρσςσ oſo ſtark hervor 250 C. D. Und ferner mußte das Sinnliche, wel ches mythiſch ſubſtituirt ward, auch nach ſeinem eigenen Gehalte an ſich, Vertreter der Ideen ſein können. Aber die ſchönen Geſtalten und der Grieche ſieht nur plaſtiſche Geſtalten vor ſich haben eben das mit den Ideen gemein, daß ſie als feſt, abgeſchloßen, einfach, unwandelbar, ſelig und beſeligend dem Beſchauer gegenübertreten.(6402,&œ ds 2d 2εν νQαά ε&ναμονα qdονμααακα.) Die Eigenſchaften der Ideen treten alſo, nur ſinnlich, in den ſchönen Geſtalten ſelbſt hervor. Dazu kam nun endlich als letzter Grund, daß das Objekt auch hinweiſen mußte über ſich hinaus auf die Methode, in welcher die Erkennt⸗ niß erworben werden ſoll und die Aufgabe, welche der Philoſophie überhaupt geſetzt iſt. Es iſt bekannt, und gerade dieſer Geſichtspunkt iſt auch für unſeren Mythos von Neueren am ſtärkſten betont worden, wie die wahre Philoſophie nach platoniſchem Begriffe, eben als Dialektik in der lebendigen gegenſeitigen Ge⸗ dankenentwicklung, der Ideenerzeugung ihren Ausdruck finde und wie die wahre Philoſophie auch geſtal⸗ tend in das Leben üͤberhaupt, zumeiſt aber in das pſychiſche Leben ihrer Jünger eingreifen ſoll. Wird nun das Objekt der mythiſchen Darſtellung jenes idealen Triebes, das Schöne, in die Menſchennatur ſelbſt geſetzt, ſo wird dieſer Trieb zur Liebe und damit iſt der Uebergang zu der Gemeinſamkeit des Strebens, zur philoſophiſchen Lebensthätigkeit gewonnen. Die Liebe verbindet beſtimmte Verſönlichkeiten mit einander und die Zwecke der einen müßen auch die Zwecke der anderen werden. Kommt nun der Unterſchied des Alters hinzu, ſo wird das Streben des gereiften Mannes dahin gehen, ſeine Natur, d. i. den Inhalt ſeiner Seele dem geliebten Knaben einzupflanzen, um ihn je nach der Art des Inhalts, mit ſich empor⸗ zuheben oder herabzuziehen. So vereinigten ſich in der That für die mythiſche Behandlung viele Schwierigkeiten, weil der Forderungen von gar verſchiedenen Seiten viele waren. Sie werden aber alle gelöſt, gebunden in Einen Mittelpunkt. Nachdem dieſe Verhältniſſe alleſammt einmal erfaßt ſind, bedarf es nun keines beſonderen Eingehens auf die einzelnen Glieder, die eine gar weite und tief greifende Er⸗ örterung in der Dialektik beanſprucht haben würde, ſondern nunmehr genügt es, nur mit ſtrenger Rüuckſicht auf den gebotenen Zweck die Sache ſich abſpinnen zu laßen, wie ſie auch ihrem eigentlichſten Sein nach ſich darleben würde. Die lebendige Anſchauung wußte allen den einzelnen Forderungen der Dialektik zugleich zu genügen, ohne vor dem ſchauenden Auge die Wahrheit zu verbergen oder zu verdunkeln. Das iſt das Große und Künſtleriſche, daß nunmehr von der Liebe, als wäre ſie im gewöhnlichen Verſtande Selbſt⸗ zweck der Darſtellung, die Rede iſt und doch das Ziel erreicht wird, ohne daß jemals eine mühſame und trockene Nachhülfe eingeflochtener Andeutungen auf den tieferen Sinn nothwendig würde.

Es folgt nun die Beſchreibung des Entſtehens und Wachſens der Liebe von allgemeinem Standpunkt aus. Freilich, die niedrigſte Stufe, welche die verdorbene Sinnlichkeit einnimmt, mußte gleich abgeſchieden werden, weil der edle Zweck auch nur die edle Liebe vorausſetzen darf. Aber ſobald das geſchehen iſt, geht die Darſtellung ein in den pſychiſchen Vorgang und es lieſt ſich nicht anders, als ob eben eine eigentliche Liebe, eine romantiſche möchte man ſagen, die man platoniſche zu nennen beliebt hat, ſollte zur Darſtellung kommen. Der Menſch, von dem die Rede iſt, nach Ausſcheidung der niedrigen Klaſſe,

heißt dortredis, 6 1⁴. τ⁶eτε τ³ι⁵σνμ⁴ασνν. Ihm tritt die Schönheit entgegen. Es iſt charakteriſtiſch, wie uns Plato nur