Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
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bindung mit dem Körper wird als eine Entfiederung, d. h. nur als eine Losſagung von dem allgemeinen Seelenleben bezeichnet, da ſie nicht mehr den Trieb nach dem göttlichen Leben in ſich hat. Allerdings kann man es als Platos Anſicht bezeichnen, daß die einzelne Seele inhärire der allgemeinen Weltſeele; das iſt aber einmal weit entfernt einem Aufgehn derſelben in dieſer gleichbedeutend zu ſein; vielmehr bleibt damit ihr ſelbſtändiges Sein vollkommen gewahrt, ſo gut, wie bei der Inhärenz der niederen Ideen in den höheren die Selbſtändigkeit von jenen; andererſeits iſt es ſehr fraglich, ob man jenes Reſultat einer ſpäteren Entwicklung ohne Weiteres für den Standpunkt des Phädrus dürfte gelten laßen. An ein allgemeines Seelenleben aber kann gar nicht gedacht werden, da dies erſt ein moderner, abſtrakter Begriff iſt, welcher der konkreten Anſchauung Platos ganz ferne ſteht. Ebenſowenig kann ich Kriſche, dem auch Suſemihl folgt, in der Identifikation der zwölf Götter mit den Sternen, insbeſondere den Planeten beiſtimmen. Dieſer aſtronomiſchen Auffaßung der ſchwierigen Stelle ſcheint mir Plato ſchon durch die Bemerkung vorbeugen zu wollen p. 246 C. 6.⁴eμαιόασo*ε ο⁶ ε⁸ς εννς 1*ον TAoισσιμeνο did πνἀ⁴τετονέν ντνε 70νες ϑ iueν⁴ςι s»οꝛmςαννεs εν½ αιανιαάιτ³dν 60 O 10ν ru³ν εέφαον 2 6.⁵μααχα Ebenſo 10 s Jeloν 2αον 9%, dναρ. Gewiß will Plato eine konkrete Anſchauung liefern und man würde Unrecht thun, den Zug der Götter ins Abſtrakte hinein allegoriſirend umzudeuten; aber die aſtronomiſche Deutung ſcheint mir, abgeſehen von der Schwierigkeit, im Einzelnen recht zu ſehen, in den entgegeſetzten Fehler zu verfallen, da ſie das Konkrete ganz entgeiſtigt und zu einem rein phyſiſchen Vorgang herabſetzt. Soviel kann man zugeben, daß ein ſinnliches Gegenbild in aſtronomiſchen Verhält⸗ niſſen und Vorgängen könne gefunden werden; aber darin liegt das Weſen nicht, daß darauf die mythiſche Form mit Nothwendigkeit hinwieſe. Es wäre für den Zweck des Mythus auch ganz gleichgültig, ja mehr als das, es wäre der tieferen Auffaßung der Sache geradezu hinderlich, wenn ſie an eine phyſiſche Noth⸗ wendigkeit gekettet wäre. Das Geſetz der Adraſteia zuſammengehalten mit p. 248 C. und 249 A. läßt offenbar auf große zwiſchen den einzelnen Umzügen liegende Zeiträume ſchließen, die ſich ſchwer mit einem alltäglichen Vorgang zuſammendenken laßen, der eine Unterbrechung der Bewegung nicht duldet. Dagegen iſt andererſeits die Form des Werdens der Ideenerkenntniß in der Seele eben das Mythiſche, deſſen hiſto⸗ riſches Gewand lediglich den Zweck hat, von dem Standpunkt des Jetzt aus, die Nothwendigkeit einer Annahme von mitgebrachtem Inhalt zu begründen und der Art nach zu erklären. Darnach kommt es eben nur darauf an, daß die Seele die Ideen überhaupt geſchaut hat; dies ſetzt ein Zuſammengeweſenſein der Seele mit ihnen voraus, das gewiß nicht an die Schranken der Zeitlichkeit und Räumlichkeit gebunden werden darf. Mit dem Göttlichen muß aber die Ideenerkenntniß verknüpft werden, weil die Ideenerkennt⸗ niß gerade der Punkt iſt, der in dieſem Leben den Menſchen zum Göttlichen emporhebt und ſeine dereinſtige Vereinigung mit ihm ſicher ſtellt, deſſen Mangel aber auch andererſeits den Menſchen vom Göttlichen trennt und fernhält und in die unterſte Tiefe der Welt, wie es das ſinnliche Bild im Gegenſatz zum drεοοωιισιιιμς 1⁴⁶σmπηοs darſtellen muß, hinabführt. Auch beſteht eine ſo feſte innere Verbindung zwiſchen dem Göttlichen und der Ideenwelt, daß das eine ohne das andere nicht ſein und gedacht werden kann. War daher die Seele in Zuſammenhang zu ſetzen mit dem Göttlichen, ohne daß die Darſtellung desſelben Selbſtzweck war, ſo war im Mythus das Einfachſte ein Anſchließen an die Volksanſchauungen. Da ich für die ganze Aufgabe des Phädrus in der Darſtellung der Götterlehre nichts für ſich Weſentliches finde, ſo glaube ich mich an die allerunbefangenſte Auffaßung ohne Deutung halten zu müßen und bleibe bei dem Genuß der poetiſchen Momente in ihr ſtehen, die ſich alle zu einer vollen Einheit in einander abrunden. Die Ordnung des ganzen Zuges, der Vorgang der Götter, lauter individueller Perſönlichkeiten,