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die kein Hinderniß ihrer Bewegung findet, am beſten veranſchaulicht. Unten iſt das Schwere, Erdige. Von dieſem zu jenem emporzuſteigen, kennt die Menſchheit nur das eine Mittel der Beflügelung. Dieſe wird daher das Bindeglied zwiſchen beiden Welten, der oberen und unteren; iſt aber ſelbſt nur das Gegen⸗ bild der Kraft freier geiſtiger Thätigkeit. Geht dieſe verloren, ſo wird der irdiſche Zuſtand nothwendig.
Ehe ich nun mit Plato dazu übergehe, die Geſchichte der Seele ſelbſt zu verfolgen, bleibt mir noch übrig über den Präeriſtenzzuſtand überhaupt und ſeine Bedeutung zu reden. Ich fühle mich dazu um ſo mehr aufgefordert, als ich mit der nur ſcheinbar aus der Konſequenz der allgemeinen Bedeutung des Mythiſchen entwickelten Anſicht in meiner Abh. über pl. Spr., p. 41 und 42. mich nicht mehr im Einklang finde. Es konnte mir daher nur zur Freude gereichen, in der Recenſion jener Abhandlung durch Suſemihl(Neue Jahrb. f. Philologie ꝛc., Jahrgang 1853, Bd. 68, p. 597 u. 598) neben der Anerken⸗ nung des allgemeinen Satzes für dieſen Punkt zugleich die Beſchränkung desſelben auf ſein wahres Maaß zu finden. Nur glaube ich, lag der Grund des Jerthums nicht in der abſtrakten Konſequenz jenes Kanons, ſondern in der allzunegativen Auffaßung desſelben, während in der That die poſitive Kraft platoniſcher Anſchauung die mythiſchen Elemente ſo gut wie die Dialektik ſchuf und in jenen eine nothwendige Er⸗ gänzung zu dieſer fand. Es war noch ein unbemerktes Fortwirken des Erklärungsprincipes, das ich ſelbſt bekämpfte, wenn ich zu ſubſtituiren ſuchte, wo es lediglich galt die Thatſache aus der Geſtaltung der pla⸗ toniſchen Denkform zu erfaßen. Ich will das Sachverhältniß, wie es mir nach ſchärferer Prüfung er⸗ ſcheint, in dogmatiſcher Weiſe angeben, ohne alle Einzelnheiten der Unterſuchung vorzuführen. Plato hatte aus der Erſcheinungswelt, die er mit den Bedurfniſſen und Poſtulaten ſeines Denkens verglich, die Ueberzeugung gewonnen, daß in ihr nicht das wahrhafte Sein zu finden ſei. Indem dieſes nun außer⸗ halb dieſer Welt zu ſetzen war, mußte zugleich das Bedürfniß einer entſprechenden Seelenlehre lebendig werden. Denn in der That ruht die ganze Ideenlehre Platos, überhaupt die platoniſche Philoſophie auf pſychiſchen Grundlagen, die, ſo ſehr ſie urſprünglich nur ſubjektiv waren, ſich verdichten mußten zu einer konkreten Anſchauung von dem Weſen der Seele. Beruhte ja doch die Wahrheii der Ideenlehre und ihre Anerkennung darauf, daß der Beweis von der Berechtigung der pſychiſchen Intereſſen geführt ward, aus denen ſie hervorgieng; daß überhaupt die Nothwendigkeit der Ideenlehre einerſeits, andererſeits die an⸗ nähernde Erkennbarkeit derſelben nachgewieſen ward. Jener erſte Beweis war logiſch⸗metaphyſiſch, dieſer pſychologiſch. Aus den zu beweiſenden Punkten mußte ſich nun zunächſt eine beſtimmte Anſchauung von dem Weſen der Seele und ihren Beziehungen zum wahren Sein, wie zu den Erſcheinungen herausbilden. Die Seele mußte ihrem reinen Weſen nach frei gemacht werden von der Gewalt des Werdens, aus dem kein feſtes Sein hervorgehen kann, das vielmehr Alles in den Strudel der Vernichtung hineinreißt. Wie die Ideen nicht in dieſer Welt unmittelbar zu ſchauen ſind, ſondern ein transſcendentes Sein haben, ſo mußte auch die Seele hinübergerückt werden in die transſcendente Welt. Sie mußte ein wahrhaft Seien⸗ des werden; nur dadurch war der Grund zur möglichen Erkenntniß der Ideen zu befeſtigen und der Grund zu der platoniſchen Philoſophie zu gewinnen. Aus dieſer Geſammtanſchauung heraus mußten ſich denn alle einzelnen Konſequenzen logiſch feſt geſtalten. Daher war insbeſondere die Präeriſtenz der Seele eine durchaus nothwendige Annahme, da in dieſem Leben nirgends ein direktes Erkennen der Ideen, nirgends aber auch ein gänzliches Baarſein der Seele von allem idealen Inhalt vorhanden war. Hätte Plato nur den Satz, daß die Erſcheinungswelt die Wahrheit nicht bietet, an ſich ſchroff und in aller Konſequenz aufgefaßt, ohne Ergänzung durch irgend eine mythiſche Anſchauung, ſo war das Reſultat des platoniſchen Philoſophirens überhaupt nur negativ— Skeptik; aber eine poſitive Entfaltung war unmöglich. Doch


