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Form? Vielleicht gerade wegen des Kontraſtes gegen den Ariſtophanes, vielleicht auch gegen die mythologiſchen Argumente der übrigen Vorredner, alſo um zu zeigen, wie nur der eigentliche Philoſoph auch dieſe Form philoſophiſch, d. h. durchſichtig für den Gedanken verwenden kann.“ Ich darf zwar an⸗ nehmen, daß der Verfaßer jetzt auch hierüber anders denken wird(ogl. Neue Jahrbücher f. Phil., Bd. 68, Heft 6. p. 598), aber ich glaubte dieſe Stelle dennoch erwähnen zu dürfen, um daran die Bemerkung zu knüpfen, daß meiner Anſicht nach eine Scheidung zwiſchen Mythen unbewußter und nothwendiger, oder bewußter und willkuͤrlicher Art nicht mehr ſtatthaft ſein kann, daß vielmehr allen ein gemeinſamer Grund zu allen Zeiten unterlegen habe. Der Grund, welchen Suſemihl für den vorliegenden Fall aufſtellte, kann nicht befriedigen, denn er ruht nicht auf der Bedeutung mythiſcher Form überhaupt. Allerdings hat es auch nicht geringe Schwierigkeit bis zur Einſicht in die Nothwendigkeit dieſes kurzen Mythus zu gelangen, welcher der Seherin Diotima in den Mund gelegt iſt. Er ſtellt die Natur des Eros dar; aber dieſe war auch ſchon in der vorhergehenden dialogiſchen Crörterung begrifflich feſtgeſtellt. Es war wenigſtens geſagt worden, daß die Liebe ſich ſtets auf ein Objekt beziehen müße, daß der Grund derſelben die Be⸗ dürftigkeit ſei und endlich, daß die Beduͤrftigkeit, aus der das Begehren hervorgeht, für den Begehrenden ſelbſt vorausſetzen laße, daß er den Gegenſtand des Begehrens nicht ſelber beſitze, daß alſo Schönheit und Gutes, ſofern es das Objekt der Liebe iſt, den Liebenden oder der Liebe ſelbſt nicht zukomme, da es ja der geliebte Gegenſtand iſt. Daraus folgt aber nicht, daß dem Eros das Gegentheil zukomme, Häßlichkeit und Schlechtigkeit, ſondern daß er in der Mitte ſtehe, nicht häßlich ſei und nicht ſchlecht, aber auch nicht im Beſitz des Schönen und Guten. Wenn nun der Mythus nichts weiter enthält als dieſe Gedanken, dann kann man mit Recht fragen, worin iſt überhaupt ſeine Berechtigung zu ſuchen? Bringt er nicht in die begriffliche Erörterung der Sache eine müßige Unterbrechung, die an die Stelle klarer Beſtimmungen phantaſtiſche Bilder ſetzt? Aber die Darſtellung ſchon iſt doch ſo kunſtvoll und ſein bedeutungsvoller In⸗ halt trifft ſo unmittelbar, daß man den Vorwurf nicht ausſprechen kann, ohne nach einem Mittel zu ſuchen, wie er beſeitigt und Plato vertheidigt werde. Das Vorgeben eines künſtleriſchen Intereſſes reicht nicht aus; denn das iſt nur formeller Art und nichts tadelt Sokrates ſelbſt ſo ſehr als die Form ohne Inhalt an den anderen Reden. Vielleicht möchte man ſich verſucht fühlen, einen hinreichenden Grund in dem unmittelbar voran⸗ gehenden zu finden. War nicht Eros als ein Dämon beſtimmt, als ein perſönliches Weſen? Verlangte nun nicht die perſönliche Anſchauung gegenüber der abſtrakten Begriffserörterung eine weitere Ausmalung der perſönlichen Verhältniſſe, ſchon der Vollſtändigkeit wegen? Und wäre nicht Sokrates ganz und gar abgeirrt von dem eigentlichen Thema des ganzen Sympoſiums und der Anſchauungsweiſe, die alle Reden ſeiner Vorredner durchdrungen hatte, wenn er dieſe perſönliche Anſchauung verließ? Aber, können wir auf das Erſte antworten, warum bringt Diotima dieſes perſönliche Weſen in die Erörterung herein? Freilich iſt das der Grund des folgenden Mythos, aber er iſt ſelbſt herbeigezogen und die Perſonifikation, die an die Stelle eines Begriffes tritt, iſt ſelber mythiſch! und auf das Zweite gerade dadurch, daß So⸗ krates ſich nicht in direkten Gegenſatz zu ſeinen Vorrednern ſtellt, wird er ſeinem eigenen Verſprechen untreu, wornach er hatte lediglich die nackte Wahrheit ohne Bilder und geſuchte Redensarten ſagen wollen. Das Recht zur Mythenbildung muß alſo auch hier tiefer liegen. Es fragt ſich, iſt jene von mir aufge⸗ ſtellte allgemeine Bedeutung des Mythos auch hier zuläßig, daß er an der Stelle einer genetiſchen, in Begriffe nicht zu faßenden Entwicklung trete. Man könnte einwenden, da die begrifflichen Verhältniſſe ſelbſt ſchon angegeben ſeien, ſo könne hier der Grund darin nicht geſucht werden. Dieſem Einwurf müßten wir weichen, wenn in der That dieſer begrifflichen Erörterung gegenüber kein Fortſchritt ſichtbar wäre,


