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fern lagen, am längſten verſchieben und treten daher bekanntlich auch erſt in der ſpäteren Periode des Philoſophen hervor, nachdem die eigentliche Dialektik bereits zum Abſchluß gediehen war. Dagegen iſt es von der größten Wichtigkeit, zu wißen, welches Objekt der Erfahrung zuerſt einen Mythus hervorrief; denn der erſte Mythus wird maaßgebend ſein für alle folgenden. Dieſes Objekt muß der Dialektik am nächſten geſtanden haben, ſo daß ſie ſelbſt nicht begründet werden konnte, ohne ſich mit ihm abgefunden zu haben— das iſt aber die menſchliche Seele. Die Dialektik drängte zu der Annahme ſeiender Weſenheiten, die nicht in der Erſcheinung aufzuzeigen waren; die aber gleichwohl Nothwendigkeit haben ſollten für die Erkenntniß. Die ſubjektive Erkenntniß gieng alſo über das hinaus, was der unmittelbaren Wahrnehmung geboten war. Sofern nun die Seele Trägerin der Erkenntniß iſt und in ihr das objektive Sein ſich abſpiegeln ſoll, mußte ſich mit der Dialektik zugleich eine konkrete Anſchauung von der Seele bilden. Die Seele iſt aber wie der ganze Menſch, ein Ding der Erſcheinung und der Begriff des Werdens und der Entwicklung konnte von ihr nicht ausgeſchloßen werden, da die tägliche Erfahrung die verſchiedenſten Zu⸗ ſtände innerhalb der einzelnen Seelen, wie die größten Verſchiedenheiten aller unter einander nachwies. Da entſtanden denn alle die Fragen über den eſentiellen Grund dieſer Erſcheinungen, welche von der reinen Dialektik zunächſt nicht entſchieden werden konnten. Wie verwickelt das Problem Plato ſelbſt er⸗ ſcheinen mußte, wird uns die genauere Erörterung des pſychologiſchen Mythus im Phädrus lehren; wie eine Löſung der verſchiedenen Probleme aus dialektiſchen Gründen ſelbſt nothwendig war, davon kann man ſich aus meinem Aufſatz in der 3. f. A., 1854. überzeugen. So kam es denn, daß die lebendige An⸗ ſchauungsfähigkeit Platos zugleich mit der Ausbildung der Dialektik den pſychologiſchen Mythus ſchaffen mußte, und daß dieſer zwar nicht ſeinem Inhalt, wohl aber nach innerer Form und Bedeutung Grundlage oder vielmehr Muſterbild aller ſpäteren mythiſchen Darſtellungen geworden iſt.
Wenn es alſo feſtſteht, daß eine mythiſche Darſtellung überall da erfolgen werde, wo ein Knotenpunkt in der Lehre Platos ſelbſt eintritt, zwiſchen wahrhaft Seiendem, das in begrifflicher Unterſuchung, und zwiſchen einem Werdeprozeß, der in einer ergänzenden Anſchauung die entſprechende Darſtellungsform findet, ſo führt uns das auch zu der Löſung der Frage, an welchen Stellen der platoniſchen Dialoge vor⸗ zugsweiſe Mythen auftreten mußten. Denn die Natur der Sache bringt es mit ſich, daß ſolche Knoten⸗ punkte nicht an jeder beliebigen Stelle mögen geſchürzt und gelöſt werden. Schon das künſtleriſche Intereſſe, welches eine beſtimmte Ordnung, ein Maaß in der Wahl der Darſtellungsformen verlangt, konnte nicht dulden, daß Verſchiedenartiges willkürlich durcheinander geworfen werde. Aber die Form muß ſich gleich⸗ wohl richten nach dem Inhalt und die naturgemäße Vertheilung des Inhalts wird daher auch dem Ver⸗ langen rechter Formvertheilung befriedigend entgegenkommen. Die dialektiſche Erörterung hat es nur mit Begriffen zu thun, die ihr Sein für ſich haben und unter einander in nothwendigem Zuſammenhang ſtehen. Aber die Begriffe haben wiederum ihre eigenthümliche Art der Verbindung mit Dingen der Erſcheinung. Sie ſetzen nämlich entweder ein Gebiet der Erſcheinung, eine Geneſis des Seienden voraus als Grund⸗ lage ihrer eigenen Nothwendigkeit, ſodaß ein begriffliches Gebiet aus jenem als die Folge für das ſubjektive Erkennen hervorgeht, oder ein Syſtem in ſich abgeſchloßener Begriffsbeſtimmungen bringt als Folge ſeiner ſelbſt einen beſtimmten Zuſtand der Realität der Erkenntniß zum Bewußtſein. Die begriffliche Erörterung verlangt in dieſem zweiten Fall einen Abſchluß in der Anſchauung eines ſolchen nach Denknothwendigkeit zu erwartenden Zuſtandes. Denn ſo abſtrakt iſt die platoniſche Philoſophie am allerwenigſten, daß ſie ſich zurückziehen könnte und wollte von allen Thatſachen des Werdens und Gewordenſeins, wenn dieſe ſich ſelbſt nur in Seinszuſtänden firiren laßen. So ſehr vielmehr die Begriffe, als Ideen gefaßt, eine objektive


