Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
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techniſches Geſetz, das für die Anwendung dieſes Hülfsmittels, alſo die mythiſche Darſtellung ſelbſt von Wichtigkeit wird. Wenn daher der Mythus einen beſtimmten Zuſtand eines Dinges vorführt, ſo muß er doch ausgehen von dem relattv entgegengeſetzten Zuſtand desſelben Dinges und zwiſchen beiden die Ueber⸗ gangsmomente in der Form hiſtoriſchen Zuſammenhangs ergänzen. Für den pſychologiſchen Mythus wird dieſe Beſtimmung unmittelbar fruchtbar, weil ſchon aus ihr die Annahme des Präeriſtenzzuſtandes der Seele nothwendig würde.

Das Ergebniß dieſer kleinen Unterſuchung beſchränkt ſich zunächſt nur auf den Satz, den wir oben ſchon als Behauptung ausſprachen, daß eine Darſtellung des Werdens der Dinge, eine genetiſche Ent⸗ wicklung, durchaus nicht im Intereſſe der platoniſchen Philoſophie gelegen habe. Wenn nun gleichwohl der Mythus einen Erſatz für dieſen Mangel bieten ſoll, ſo entſteht natürlich die Frage, an welchen Stellen denn dieſer Mangel ſo fühlbar geworden ſei, daß er mythiſche Darſtellung nothwendig gemacht habe. Dieſe Frage verlangt eine doppelte Beantwortung nach dem inneren Grund und nach der äußeren Stellung der Mythen: 1) welche Objekte nöthigen zu dieſer Art der Behandlung und 2) an welchen Stellen der Dialoge? Was zunächſt die Objekte anbelangt, ſo iſt es klar, daß alle Gegenſtände der Erfahrung, da ſie alle geworden ſind, nach ihrer eigenen Natur möglicherweiſe einer mythiſchen Behandlung unterliegen konnten. Daß ſie aber in Wirklichkeit nicht ganz und gar von aller Darſtellung ausgeſchloßen wurden, davon liegt der Grund in der Natur des menſchlichen Denkens und ſeiner Stellung den Objekten gegen⸗ über. Es kann ſich die menſchliche Seele gegen die Welt der Erſcheinung nicht in ſo ſchroffen Gegenſatz ſtellen, um nicht zu ſagen, ganz und gar von ihr abſchließen, daß dieſe nicht doch wieder in den Kreis des Denkens eindränge und damit zugleich die Form ihres eigenen Daſeins in irgend einer Weiſe zur Geltung brächte. Wollte Plato zu einer vollen Entfaltung ſeiner dialektiſchen Lehre gelangen, deren treibende Kraft in der ontiſchen Weltanſchauung lag, ſo ſtieß er überall an die Objekte der Erfahrung an und das nicht blos, um ſie aus dem Wege zu räumen, ſondern auch um theils ſeiner Dialektik vollkommen Herr werden zu können, theils um deren Reſultate für das irdiſche Daſein, ſich ſelbſt und ſeine Umgebung fruchtbar zu machen. Denn das Intereſſe theilt natürlich ſeine Philoſophie mit aller Philoſophie, daß ſie auch für das unmittelbare Leben geltende Normen aufſtellen will, und ſie mußte es in um ſo höherem Grade, je inniger ſie ſich aus der ſokratiſchen Lehre erwachſen fühlte. So hatte die Dialektik doch wiederum die Welt der Erſcheinungen zur Vorausſetzung und zum Gefolge, ſo daß ihr eigener Zweck es erheiſchen mußte, die herandringenden Objekte der Erfahrung nicht überall abzuweiſen. Daher hat denn auch in allen Theilen der Philoſophie der Mythus eine Stelle gefunden, weil der Inhalt der Erfahrungswelt alle Theile durchziehen mußte. Ich habe darüber in der o. a. Abh., p. 39, geſprochen und verweiſe im Allge⸗ meinen darauf. Natur und Staat ſind die umfangreichſten Geſtaltungen der Erſcheinungswelt und zwar gehört jene dieſer vollkkommen und nur ihr an und ſteht in ſchroffſtem Gegenſatz zu der reinen Dialektik und ihrer Ideenlehre, einem ſo zu ſagen transſcendenten Objekte des Erkennens; der Staat aber mit dem Inbegriff der ganzen Sittlichkeit, ließ ſich von verſchiedenen Standpunkten betrachten, rein begrifflich, wie er ſein ſoll, und zweitens, wie er iſt, d. h. wie er geworden iſt. Jener Standpunkt der Betrach⸗ tung iſt der eigentlich platoniſche; aber da er ſich eben unterſcheidet von den wirklichen ſtaatlichen und geſellſchaftlichen Zuſtänden, bedarf auch er einer Ergänzung um des Gegenſatzes willen. Aber gerade die beſondere Betrachtung von Staat und Natur ließen ſich, weil ſie zunächſt dem dialektiſchen Intereſſe noch

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