Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
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rundet ſich die Erörterung der anſcheinend andere Löſung erheiſchenden Frage nach einer inneren indivi⸗ duell zu erfaßenden Einheit doch vollſtändig zuſammenhängend ab und der Bruch eriſtirt nur für uns,

ſequenz ſeiner individuellen Anſchauungsweiſe gefolgert an die Spitze der Unterſuchung ſtellten: daß er das Werden, als empiriſche Thatſache, niemals zu erklären und darzuſtellen unternehmen könne, ſondern wo es ſich geltend mache, zurückführen müße auf den begrifflichen Seinsinhalt. Wir haben ſomit gewiſſer⸗ maßen eine theoretiſche Begründung für unſere Auffaßung von der Bedeutung platoniſcher Mythen ge⸗ funden. Es könnte jedoch ſcheinen, als hätten wir dabei einen Punkt uͤberſehen, der hier von großer Wichtigkeit ſein dürfte. Die Erinnerung, die jenem Ungenannten zu Theil wird hatte nämlich die Re⸗ ſultate der mit p. 69 E. beginnenden Erörterung über das Verhältniß des Entſtehens und Vergehens als in Uebereinſtimmung mit dem eben Dargeſtellten, gelten laßen, nur darauf hingewieſen, daß es ſich dort um die Dinge ſelbſt handle, hier um die Begriffe. Demnach hätten wir vielleicht dort die eigentliche Anſicht Platos vom Werden der Dinge ſuchen ſollen. Widmen wir alſo auch dieſer Stelle eine kurze Aufmerkſamkeit; ſie wird nicht unfruchtbar ſein für unſere Zwecke. Es war nämlich dort angenommen worden, daß alles aus ſeinem Gegentheile entſtehe, das Größere aus dem Kleineren, und umgekehrt, das Beßere aus dem Schlechteren, Leben aus Tod, Tod aus Leben. Das gilt nun durchaus nicht von dieſen Begriffen, als könnten ſie jemals in ihr Gegentheil umſchlagen, ſondern nur von den Dingen. Indem Plato die empiriſch gegebene Thatſache der Erſcheinungswelt auffaßte, fand er ſich zu jenem Satz ge⸗ nöthigt, weil zuletzt alles in ein und denſelben Zuſtand den Zuſtand des Todtſeins übergehen würde, wenn man die Kreisbewegung in dem Werden aufhebe. Den Dingen, die ſich im Werden befinden, kommen daher die Begriffe, die wir ihnen beilegen(103 B.) nur in komparativer, relativer Weiſe zu. Wir können ſie für ſich firiren und erhalten dann die reinen Begriffe, die nicht in einander übergehen können; aber indem ſie in der Geſtalt der Dinge nur relativ eriſtiren, bilden ſich zwiſchen den Endpunkten einer Reihe, d. i. den äußerſten begrifflichen Gegenſätzen zugleich Uebergangsbegriffe, die mit den Gegenſätzen ſelbſt, je nach der Ordnung derſelben, ſich recht wohl vertragen und dadurch in der Erſcheinung die rela⸗ tive Geſtalt oder den beſtimmten Werdens⸗ und Verhältnißzuſtand der Dinge hervorbringen. So ſetzt der Uebergang des Wachens und Schlafens in einander die Mittelbegriffe des Einſchlafens und Aufwachens voraus. Das Relative wird qualitativ nur mittelſt des Quantitativen. Wenn nun das Werden ſelbſt als die Kreisbewegung des Dinges durch dieſe Begriffsreihen hindurch in ihrer relativen Geſtalt bezeichnet wird, ſo ergibt ſich daraus, daß Plato ein abſolutes Werden, ein Anfangen und Entſtehen aus Nichts ebenſowenig ein Aufhören und Aufgehen in Nichts gar nicht kann gelten laßen, daß alſo fuͤr das werdende Ding jedesmal ein Seinszuſtand vorausgeſetzt werden muß, nur einer mit einer anderen Beſtimmung als eben die iſt, in welche es nunmehr eintreten ſoll. Auf dieſe verſchiedenen begrifflichen Beſtimmungen kommt es demnach auch hier an.

Demnach erhalten wir auch von dieſer Seite eine Beſtätigung unſeres Satzes, daß fuͤr das Werdende jedesmal ein Sein vorauszuſetzen ſei; aber mit der näheren Beſtimmung, daß dieſes Sein, als Zuſtand gefaßt, relativ das Entgegengeſetzte deſſen ſein müße, in welches das werdende Ding übergeht. Es ver⸗ bindet ſich alſo eine poſitive Beſtimmung mit der bereits feſtgeſtellten negativen. Aus dieſer geht nur die Unmöglichkeit für die Dialektik hervor, das Werden der Dinge als ſolcher zu behandeln und damit die Nothwendigkeit eines ergänzenden, die Lücke ausfüllenden Hülfsmittels; aus jener ergibt ſich zugleich ein