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geeignet war“. Als dieſe Form bot ſich gleichſam von ſelbſt der Mythos dar, da die Bedeutung, den er bereits in der Volksreligion hatte, in dem philoſophiſchen Gewande nur wenig ſich abänderte. Es war ein gluͤcklicher Griff Platos, gewiß nicht durch Reflerion über das Weſen des Mythos angeregt, aber auch gewiß nicht ohne das Bewußtſein gethan, das den großen Künſtler immer begleitet, wenn er dem Zweck entſprechende Formen ſchafft. Ich meine: Plato ſuchte nicht nach einer Form, wie er die Schwierigkeiten uͤberſpringen könnte, die ihm entgegentraten und gab ſich wohl kaum Rechenſchaft über das Weſen und die innere Bedeutung des religiöſen Mythus; aber indem ſeine innere Anſchauung ganz dasſelbe Bedürfniß bewegte, welches im Munde des Volkes den Mythos hervorrief, ſchuf er ſelbſt den philoſophiſchen Mythos und fühlte bis in die einzelnſten Theile des Geſchaffenen, wie ſie dem inneren Bedürfuiß vollſtändig ab⸗ halfen. Man könnte ſagen, ein ſo treues Abbild, eine ſo entſprechende Form für den Stand ſeiner gei⸗ ſtigen Anſchauung war derſelbe, daß er gewiß den philoſophiſchen Mythos hätte ſchaffen müßen, wenn er auch keinen religiöſen vorgefunden hätte— wäre nicht eben dieſer Plato bei all ſeiner Individualität nur möglich geweſen, als Glied des helleniſchen Volkes mitſammt ſeiner Mythologie. Wenn ich daher ſage, in der Mythenbildung habe Plato eine Form gefunden, die ihn über die vorhandenen Schwierig⸗ keiten hinweghob, ſo will ich damit keineswegs jener Anſicht wiederum die Thüre öffnen, daß die Schwäche des Gedankens, die Ohnmacht, den Gegenſtand zu bewältigen, ihn dazu gebracht habe, ſich einzuhüllen in mythiſche Phantaſieen. Gs mag allerdings eine Schwäche genannt werden, wenn man darunter nicht eine Schwäche der philoſophiſchen Kraft verſteht, ſondern die Schranken, die der platoniſchen Weltanſchau⸗ ung ſelbſt geſteckt waren. Von Platos Standpunkt aus ſetzt daher die Mythenbildung eine poſitive Kraft, ein eigenthümlich geartetes Denken voraus; denn ſie ſchuf eine nothwendige Form für ihn, weil ſie nicht zu jedem beliebigen Inhalt paßte, ſondern nur für den beſtimmten Inhalt, der für andere die Erklärung einer Geneſis daſeiender Dinge nöthig gemacht hätte. Wir ſollen dieſe Schranken gewiß erkennen und beſtimmt bezeichnen, weil wir ohne ſie die individuelle Triebkraft nicht verſtehen, welche die ganze plato⸗ niſche Dialektik hervorrief; aber wir müßen von dem Standpunkt der platoniſchen Anſchauung aus be⸗ ſtimmen und darum nicht nach modernem Maaßſtab das Urtheil fällen. Denn damit trüben wir uns von vornherein die Einſicht in das Weſen und die wahre Bedeutung von mehr als Mythiſchem und verfallen willkürlichen Annahmen.
Es iſt gewiß, Plato fühlte ſich ſtets nur zu dem hingezogen, was er eben als wahrhaft Seiendes allein anerkennen konnte; und man könnte meinen, er hätte darum bewahrt bleiben müßen von aller Noth⸗ wendigkeit die Geneſis des Seienden in ſeine philoſophiſche Betrachtung hereinzulaßen. Darum wird es nöthig ſein, ſpeziell die Stellen und Punkte der Lehre aufzuſuchen und feſtzuſtellen, die zu einem Eingehen darauf nöthigten, alſo Mythenbildung verurſachten. Doch bevor ich zu einigen Bemerkungen hierüber mich wende, ſchalte ich eine kleine Unterſuchung Platos über das Weſen des Entſtehens und Vergehens hier ein, welche zeigen mag, wie auch in dialektiſcher Form Plato gerade den Satz feſtſtellte, der praktiſch im betreffenden Fall nach meiner Anſicht die mythiſche Form nöthig machte. Es iſt die Unterſuchung, die Plato uͤber jene Begriffe den Sokrates in Phädon anſtellen läßt. Sie mag ſtatt alles weiteren Eingehens in die Tiefe der ganzen Dialektik, weniger als Beweis für meine Behauptung als vielmehr als Mittel zur Veranſchaulichung deſſen hier Platz finden, was ich meine. Denn es iſt überhaupt nicht der Zweck dieſer kleinen Abhandlung, jenen Satz zu begründen, der nur ein vereinzeltes Reſultat aus der Auffaßung der ganzen platoniſchen Philoſophie ſein kann, ſondern vielmehr, von ihm aus Schlüße zu ziehen für die Erklärung der einzelnen Beſtandtheile eines Mythus und das ſelbſt an konkretem Beiſpiel.


