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Ebenso ist die Schar der Hofleute in R. und Ry. durch ihre Metaphern fein abgetönt.— Die in Hugos Dramen häufig wiederkehrenden Vertreter des Didier-Pypus gleichen sich in gewisser Hinsicht auch in ihren Metaphern, und das ist kein Zufall. Im ganzen sind diese Schwärmer recht vielseitig im bildlichen Ausdruck, greifen keck in alle Anschauungsgebiete hinein, wie sie kühn den Kampf mit dem widrigen Geschick aufgenommen haben. Daneben finden sich bei ihnen zahlreiche konventionelle Metaphern. Die Erklärung dieser Erscheinung ergiebt sich daraus, daſs die Vertreter dieses Typus immer die Rolle der Liebhaber spielen, und beim Austausch zärtlicher Empfindungen stellen sich auch in Hugos Dramen die alten, abgegriffenen konventionellen Bilder noch ungefähr mit derselben Regelmäſsigkeit ein wie die Reime Liebe und Triebe in älteren Operntexten.
Nicht zu verfehlen war die Charakteristik religiöser Schwärmer durch die von ihnen gebrauchten Metaphern. C. und T. enthalten viele solcher Gestalten, doch zeigte sich Hugo im Gebrauch biblischer Wendungen später maſsvoller als in seinen jungen Jahren. Cromwell, Carr, Barebone, Garland, Syndercomb triefen förmlich von biblischen Bildern, und hierbei erkennt man, daſs die Bibel eins von Hugos„livres de chevet“ gewesen ist, so kapitelfest und vielseitig erweist er sich in der Heranziehung metaphorischer Ausdrücke aus der hl. Schrift. Wenn dann bei Leuten wie Carr und Barebone(C.) neben biblischen, orientalischen und alter- tümlichen Bildern Metaphern in Gestalt derber Schimpfwörter unterlaufen, so darf das als charakteristisch gelten: Diese unter ihren Gesinnungsgenossen hoch gestiegenen Männer haben sich Ausdrücke angelernt, die über ihre Sphäre hinausgehen; kratzt man aber ein wenig an der Tünche, so schaut der wahre Kern heraus.— Bezeichnend ist es ferner, wenn die Puri- taner, Cromwell und Barebone besonders, Metaphern aus dem Gebiete des Theaters in ver- ächtlichem Sinne gebrauchen— Auch die Bilder Torquémadas, des Prieur und des Rabbin (T.) sind in charakteristischer Art biblisch gehalten und oft trefflich gewählt.
Eine andere Gruppe von Charakteren, die der Spione und Intriganten, ist vom Dichter nicht minder geschickt mit Bildern ausgestattet. Spähende Schleicher wie Willis(C.) und Sallust(Ry.) gebrauchen mit Vorliebe metaphorische Ausdrücke aus dem Gebiet der Jagd und des Krieges. Nicht weniger bedeutsam erscheint in diesem Sinne die Verwendung von jouer auæ échecs, jFouer auæ cartes, traquer durch Simon Renard(M.) oder die von chat und souris durch Homodei in A.
Mit charakteristischen Strichen zeichnet V. Hugo auch groteske Zerrbilder, wie die Narren in C., Gucho in T. und vor allem einen Triboulet. Diesen stattet er namentlich reich mit frivol gebrauchten, zu seinem Wesen durchaus passenden Bildern aus. Obscöne Metaphern, zu denen eine solche Gestalt leicht verführen konnte, fehlen jedoch hier wie in Hugos Dramen überhaupt. Dagegen finden sich zuweilen Derbheiten auch bei hochstehenden Personen, von Cromwell bis zum König Ferdinand in T.
Bei Betrachtung der Frauengestalten drängt sich zunächst die Beobachtung auf, dals sie im ganzen an Kraft der Farbengebung hinter den männlichen Figuren zurückstehen und mehr schablonenhaft gehalten sind. Namentlich gilt das von den schwärmerischen Mädchen und Frauen, wie Francis(C.), Sol(HI.), Blanche(R.), Jane(M.), Catarina(A.), Reine(Ry.), Régina(B.). Sie sind oft ziemlich matt im metaphorischen Ausdruck und bewegen sich noch vielfach in dem Kreise modischer Bilder, indem sie sich in diesem Punkte mit den Ver- tretern des Didier-Typus berühren. Eine eigenartige Einzelerscheinung bildet in der Reihe Hugoscher Frauengestalten die keck und frisch gezeichnete Casilda(Ry.)


