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Es sind das: chaos, kclipser, dessccher, caverne, palme, troupeau, revivre, muet, crier, réparer, loger, battant, degré, lourd, fécond, fumier, fauæ, char, réseau, triomphe, joug, cicatrice, incurable, cautériser, cercle, oblique, fuuæ-dieuæ, temple, Sion, Sodome, Gomorrhe, Ninive, idole, fasciner, dragon, basilic, roguume. In beiden Stücken fällt ferner die überaus groſse Zahl von Bildern aus dem Gebiete der Naturerscheinungen, des Pflanzenreichs, der Tierwelt und der Technik auf. Ein groſser Abstand zwischen beiden findet sich dagegen merkwürdigerweise gerade auf dem Gebiete, das bei den in beiden Dramen so häufigen theologischen Erörterungen so nahe lag, nämlich„Religion, Kultus und Aberglaube.“ Mit der stolzen Zahl von 364 diesem Anschauungs- felde entnommenen Bildern steht da C. obenan, während T. aus demselben Gebiete nur 58 Metaphern bringt. Recht häufig ist in dem dramatischen Erstlingswerke Hugos auch die metaphorische Verwendung von Raubvögeln, ebenso treten verhältnismäſsig zahlreich auf die Bilder aus„Maſs und Gewicht“,„Handel und Geld“. Auffallend ist bei dem nichts weniger als weltlichen Milieu des Dramas der häufige bildliche Gebrauch von Ausdrücken aus dem Bereich des Theaters und der Kunst. T. bevorzugt in auffallender Weise ombre und bringt noch sehr zahlreiche neue, nur hier belegte Metaphern, ein Beweis, daſs die Phantasie des Dichters im Alter nicht erschlafft war. Brandes(Die Hauptströmungen der Litteratur des XIX. Jahrhunderts, Band III pg. 296) macht darauf aufmerksam, daſs Hugo nach Chateaubriands Beispiel die heidnische Mythologie verlassen hat. Das macht sich auch in den Metaphern seiner Dramen fühlbar, doch finden sich namentlich in C.(und zwar besonders im Geschwätz der Narren und bei dem modisch angehauchten Dichter Rochester) noch zahlreiche Bilder, die der klassischen Mythologie entstammen. In den späteren Dramen treten derartige Metaphern mehr in den Hintergrund und beschränken sich auf Dinge, bezw. Gestalten, die zum Gemeingut geworden sind, wie hydre, colosse, géant, sirene, Hébé, Cupidon, Apollo, Vénus. Im ganzen hat V. Hugo die Metaphern, welche Dichter früherer Jahrhunderte ausgeprägt hatten, auch in die Schatzkammer seiner Bildersprache aufgenommen. Unter den von Arendt (a. a. O. pg. 34— 41) aus Corneilles Cid, Rodogune und Attila zusammen gestellten Metaphern sind nur wenige zu finden, die nicht auch in Hugos Dramen zu belegen sind. Diese Beob- achtung ergänzt sich aus dem Umstande, daſs mit verschwindenden Ausnahmen alle aus den dramatischen Dichtungen Molièeres und seiner Vorläufer, Corneilles, Racines und Voltaires als verblaſst ausgeschiedenen Metaphern auch in V. Hugos Dramen nachzuweisen waren. Diesen von früheren Dichtern ererbten Bilderschatz hat Hugo in staunenswerter Weise zu vermehren verstanden. Corneille und Racine hatten sich, dem Geschmack ihrer von der Etikette beherrschten Zeit huldigend, für das Drama ein sorgfältig gewähltes, eng bemessenes Metaphernvokabular aufgestellt, und selbst Voltaire war noch, wie Friedland zeigt,„mit ängstlicher Sorgfalt“ allen nicht sanktionierten Metaphern aus dem Wege gegangen. Da kam nun der junge Himmelsstürmer Victor Hugo und riſs rücksichtslos die Dornenhecken nieder, welche die Engherzigkeit der Klassiker und ihre Ehrfurcht vor dem„guten Ton“ ihrer Zeit um den lebendigen Quell der Sprache hatten wachsen lassen. Unbefangen tauchte der jugendliche Romantiker nieder in die wallende Flut, und wenn er auch zuweilen statt echten Goldes nur goldig glitzernde Kiesel zu Tage brachte, so holte er aus den Tiefen, die bis dahin verdunkelt und vergessen dagelegen hatten, manche hell schimmernde Perle, manchen kost- baren Stein von unvergänglichem Glanze. Echt volkstümliche, zuweilen derbe Ausdrücke und zahlreiche technische Wörter, die der klassische Geschmack mit dem Bann belegt hatte, zieht Hugo in den Bereich seiner Bildersprache. Archaismen erweckt er zu neuem Leben, lokale und malerische Eindrücke läſst er in seinen Metaphern sich wieder- 6*


