— 42—
Im ganzen wurden also aus den Dramen Victor Hugos 5076 Metaphern notiert. Sie verteilen sich auf 1914 verschiedene Arten derselben. Nur einmal belegt sind nicht weniger als 1028, also 20,25% aller vorkommenden Metaphern. Die nach Abzug dieser 1028 noch übrig bleibenden 4048 Bilder verteilen sich dann auf 886 Stichwörter, und auf jedes von ihnen kommen demnach durchschnittlich 4,57 Wiederholungen. 3
Was Victor Hugo für die Bereicherung der Bildersprache geleistet hat, wie sehr er mit dem metaphorischen Ausdruck Luxus treiben konnte, erhellt aus einem unter den gleichen Gesichtspunkten angestellten Vergleich mit Corneille. Bei diesem wurden von Arendt(a. a. O. pg. 9) ungefähr 9600 Metapherni¹) festgestellt, die sich auf 1167 verschiedene Arten derselben verteilen. Einmal belegt waren 366, also nur 3,81%(gegen 20,25% bei Hugo) aller vor- kommenden Bilder. 9234 Metaphern verteilen sich dann auf 801 Stichwörter; jedes derselben wird demgemäſs durchschnittlich 11,52 mal wiederholt(bei Hugo nur 4,57 mal).— Den Ver- gleich in derselben Weise auf andere groſse Dichter vor Victor Hugo auszudehnen war nicht möglich, weil das nötige Material mangelte.
Mehr noch als aus diesen Gegenüberstellungen ergiebt sich Hugos Reichtum und Viel- seitigkeit im bildlichen Ausdruck aus folgender Betrachtung:„Moliere hat, wie dies aus den Tabellen D. Meier's hervorgeht, im ganzen 11,4 Bilder auf 100 Verse, wovon ungefähr ¼ wiederholt werden, also 8,7 verschiedene Metaphern. Voltaire hat auf 100 Verse(die Vers- zahl wurde nur annähernd bestimmt) etwa 3,6 verschiedene Metaphern, also weniger als die Hälfte der von Moliere angewandten“.(cf. Friedland, a. a. O. pg. 29.) Welchen ungeheuren Aufwand an Bildern beweisen dagegen die aus der Tabelle ersichtlichen Berechnungen! Durch- schnittlich ergeben sich in den Versdramen Victor Hugos(allerdings einschlieſslich der sich relativ in sehr mäſsigen Grenzen haltenden Wiederholungen) auf 100 Verse 24,26 Bilder.— Diesen Vergleich sich in derselben Weise auf die Prosastücke erstrecken zu lassen, war nicht möglich, weil das Format der Seiten in den Ausgaben der in Frage kommenden Dichter zu verschieden ist.
Aus der letzten Position der Tabelle ergiebt sich ferner, daſs die Prosastücke bedeutend ärmer an Bildern sind als die in Versen geschriebenen. Ganz auffallend ist namentlich der Abstand zwischen R. und L., um so mehr, als diese Dramen ganz kurz hintereinander ver- faſst wurden, das erste vom 3— 23. VI. 1832, das zweite vom 9— 20. VII. desselben Jahres.
In der Tabelle sind die Dramen nach ihrer Entstehungszeit geordnet. Vergleicht man ihren Prozentgehalt an Bildern, so ergiebt sich daraus, daßs Victor Hugo gleich in seiner ersten dramatischen Dichtung die Metaphern in aufserordentlich reichem Maſse verwandte. Dann macht sich eine ziemlich regelmäfsige Abnahme im Gebrauch dieses Schmucks der Rede bemerklich, um in M. auf das bescheidenste Mafs zu sinken. Darauf aber wendet sich der Dichter mit erhöhter Freudigkeit wieder der Metapher zu, rasch erreicht er die alte Höhe und läſst endlich sein letztes dramatisches Werk in noch reicherem Bilderschmuck glänzen als irgend ein früheres.
So weisen des Dichters erstes und letztes dramatisches Werk absolut und relativ den gröſsten Bilderreichtum auf. Der Stoff beider Dichtungen ist zwar grundverschieden, erhält aber doch einen gemeinsamen Zug dadurch, daſs in C. sowohl als in T. der religiösen Schwärmerei ein breiter Boden eingeräumt ist. So ist es denn auch wohl nicht Zufall, wenn eine ganze Reihe von Metaphern ausschlieſslich in diesen beiden Werken benutzt worden sind.
¹) Corneille hat dreimal so viel Dramen geschrieben wie V. Hugo.


