— 37—
Was in dem Herzen des Königs vorgeht, läſst sich auch erkennen, wenn er sich in seiner Selbstcharakteristik bezeichnet als„Fournaise ou Prüle et bout mon passé... et d'où je sortirai glacé“, oder wenn er sagt:„Le meurtre est mon ami, les Cains sont mes frères.“ Das brennende Verlangen, alles Reine und Gute zu vernichten, äuſsert sich in den Worten:„Je suis l'abime, heureux d'engloutir l'ralcyon.“*) Das Tückische und Lauernde in dem Wesen des Königs spricht sich sehr deutlich in den folgenden bildlich gebrauchten Worten aus:
„Moi, j'observe en riant tes manoeuvres.
Pai du plaisir à voir serpenter les couleuvres...
Nous avons l'un sur l'autre une obscure*fenétre.“
Mit der tierischen Wildheit Ferdinands verbinden sich Sinnlichkeit und Genufssucht. Der König hat„soif d'une femme,“„faim du plaisir.“ Die Haut der lieblichen Rose erinnert ihn an*satin. Er schaudert, wenn er an die kaltherzige Königin denkt. Sie ist für ihn nichts anderes als ein*cadavre, ihre Hand ist„une main de*momie, une main de*suelette.“ Welche Qualen das Leben an der Seite einer solchen Gattin, die nur masque und larre ist, dem heiſs- blütigen König bereitet, läſst er durchblicken in den Worten:„Je suis L'esclare de ses jours, le forçat de ses nuits.“ Diesen Bildern lassen sich anreihen die Metaphern captif, prisonnier, martur, die der König mit Bezug auf seine eigene Person verwendet.
Auf die wahre Denkweise Ferdinands des Katholischen fallen eigentümliche Streiflichter durch die folgenden Metaphern, die er mit Hinsicht auf Kirche und Kloster gebraucht. Letzteres bezeichet er umständlich und gesucht als„Un cercle abject, tracé par un hideuæ compas“ und an anderer Stelle als bergerie. Die Geistlichen nennt er„boucs gardant des brebis,“ die Kirche maladie. Nur bei dem König finden sich neben den gelehrt klingenden Metaphern mécanisme und vinfiltrer noch*refroidir,*mür,*détendre,*faisceau. Ebenso ist nur hier belegt die bildliche Verwendung von*bätard und*perle in den Worten:
„Je reprendrais Grenade au vil croissant*bhdtard... Jaurais Grenade,*perle à notre diademe.“
cf. dazu: nuit, foudroyer, feu, brüler, flamme, bouillir, bouillonner, lueur, ombre, froid, tas, pencher, gouffre, plonger, tourbillon, amalgame, limon, branche épanouissement, dompter, s'envoler, ramper, ver, face, louche, éblouir, bouche, sourd, muet, fiel, ivresse, tortueux, pli, réparer, souillure, souiller, porte, ménage, chaine, noeud, denoũment, frein, jeu, tragédie, malade, mutiler, expirer, tombe, équilibre, ange, enfer, apôtre, précher, démon, dragon.
Die Königin tritt in dem Drama wenig hervor und ist sehr dürftig mit Metaphern ausgestattet. Charakteristisch für sie ist es, daſs sie die Alternative, ob man die Juden oder die Mauren aus Spanien vertreiben solle,„choix entre deux Gomorrhes“ nennt.
Das Liebespaar des Dramas sind Sanche, der Erbe von Burgos und Doña Rose d'Orthez. Der junge Sanche verwendet, wie alle Liebhaber, viele konventionell berührende Metaphern: feu, ombre, fleur, ãme, rére,enivrer, rainqueur, joug, mourir, ange. In seiner Zärtlichkeit für Rose gebraucht er bildlich auch*rayonnement und paradis. Den Hauch der Geliebten nennt er „haleine des cieux.“ Geziert klingt die Bezeichnung„levres de miel“« für die Lippen eines Kindes und der Auspruch:„La douleur, c'est le 2⅛, l'espoir, c'est la rosée.“ Nur hier belegt ist der bildliche Gebrauch von*paupière in den Worten:„La mort n'aime pas qu'on rouvre sa*paupière.“
cf. dazu: s'écrouler, tourbillon, boire,*déposer, semer, linceul.
¹) cf. Schultz-Gora a. a. O. pg. 280.„Er(l'alcyon) wurde das Sinnbild von allem leicht und ruhig Dahinziehenden, von allems Weichen und Zarten.


