Aufsatz 
Die Metapher in den Dramen Victor Hugos : 2. Teil / von Ernst Degenhardt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

113

pour*déshabiller plus hardiment leur àme. Als Gubetta-Belverana die vielen Namen seines Großvaters aufzählt, meint Jeppo:Il a au moins vingt noms de baptéme. Quelle litanie, monsieur de Belverana! Doch wie bei Maffio fehlen in ernsteren Stimmungen auch die an- gemessenen Bilder nicht, wie z. B. plaie, piege, demon undvoilà un rude réveil, Maffio. Dahin gehört auch das auf Lucretia bezügliche Wort:Il y a quelque chose de sinistre empreint sur sa beauté.

Apostolo verwendet bildlich nur das fast verblaſste divin. Ascanio spricht von débauches effrénées, assaisonnées d'empoisonneurs und nennt die Gesprächigkeit des trunkenen Jeppo maladie. Daneben gebraucht er bildlich ténébreuæ in den Worten:Une chose ténébreuse faite par des hommes tenébreux.

Bei Oloferno tritt die lebensfrohe Heiterkeit auch in seinen Bildern zu Tage. Xeres de la Frontera ist für ihnune ville du paradis. Bezeichnend für ihn sind ferner die mit Bezug auf Gubetta gebrauchten Metaphern faquin undvos oreilles, monsieur le castillan rräpé, je vous les clouerai sur les talons.(cf. noch démon und monstre.)

Am bedeutendsten hat der Dichter den tückischen Gubetta mit Metaphern ausgestattet, einen Intriganten, der sich den jungen Venetianern unter dem Namen Belverana genähert hat. ¹) Auch er ist Vertreter eines Typus, dem wir in Victor Hugos Dramen öfters begegnen. Julian Schmidt(a. a. O. pag. 357) nennt ihn denDiplomaten aus Talleyrands Schule oder den Maschinisten,ein kaltes, herzloses Geschöpf, das die verborgenen Fäden der Intrigue in seinen Händen hält und die Leidenschaften, an denen sich andere verzehren, zu einem raffinierten Spiel seiner selbstischen Interessen verwendet.²)

Gubetta ist das Werkzeug aller Ränke Lucretias gewesen. Als sie nun den Wunsch ausspricht, mit ihrer schlimmen Vergangenheit zu brechen und gut zu werden, fordert das seinen Spott heraus, dem treffende Bilder nicht mangeln:.. depuis quelque temps vous étes devenue*indéchiffrable pour moi...sur quel hermite avee vous marché aujourd'hui?... il pleut des pardons! il*gréle de la miséricorde! je suis submergé dans la clémence! je ne me tirerai jamais de ce deluge effroyable de bonnes actions. Aber Gubetta traut dem Ge- sinnungswechsel des furchtbaren Weibes nicht recht:... toute cette mascarade se termine par un sermon que vous me faites. Diese satanische Ironie bildet den Grundzug seines Wesens, und sie äufsert sich stets in treffenden und witzigen Bildern. Er spricht von dem üblen Leumund, den er sich als Werkzeug der Lucretia zugezogen hat, mit den Worten: ... ils ont mis à mon nom une flamboyante raigrette de sobriquets. Als Oloferno in der Gereiztheit darüber, daſs man sein Sonnet nicht anhören will, das Messer zieht, meint Gubetta: Cet imbécille! Mettre en déroute les plus jolies femmes de Ferrare avec un couteau remmanché dans un sonnet. Später sagt er:Je ne suis pas poête, et... je n'ai point l'esprit assez galant pour faire se*becqueter deux rimes au bout d'une idée. Als Lucretia in Venedig einen falschen Namen angenommen hat, bemerkt Gubetta:Votre altesse quitte Ferrare... raffublée d'un faux nom. Ihm eigen ist der bildliche Gebrauch von*souder, voisser,*cheviller in den Worten:Il faut que la queue du diable lui soit*soudée,chevillée et*vissée à l'échine d'une façon bien triomphante pour qu'elle résiste à l'innombrable multitude de gens qui la

¹) Der Name ist nach Dannehls Angabe eine Reminiscenz an einen boshaften Schulkameraden, den Victor

Hugo in der klösterlichen Schule zu Madrid hatte. ²) Dieser Typus ist uns zuerst in der Person des Laffemas in Mr. begegnet; wir werden ihn wiederfinden in Homodei(A.), Simon Renard(M.), Don Sallust(Ry.), mit einigen Modifikationen auch in T. in der Figur des

Marquis.