Aufsatz 
Die Metapher in den Dramen Victor Hugos : 2. Teil / von Ernst Degenhardt
Entstehung
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wie die Shakespeare'schen Narren als mit scharfem Verstande, mit Welt- und Menschen- kenntnis begabt, und so entnimmt er seine Bilder geschickt den verschiedensten Anschauungs- gebieten.

Seine sarkastische, auch drastische Ausdrücke nicht scheuende Sprechweise läſst sich deutlich in der 4. Scene des ersten Akts erkennen. Franz I. spricht von dem Vorschlage seiner Schwester, daßs er sich nämlich, um der Langenweile zu entgehen, an seinem Hofe mit Gelehrten und Dichtern umgeben wolle. Da nennt der Narr diesen Plan*monstruosité und Imédecine inouie. Ein Gelehrter ist nämlich für Triboulet ein ine*bäté, der Dichter scheint ihmde rimes*arbouillé«. Dann fährt er fort:

Cinq ou six(sc. poêtes)! c'est tout une curie! C'est une académie, une meénagerie!

N'avons-nous pas assez de Marot que voici, Sans nous empoisonner de poetes ainsi!

Als der König, über die Schönheit der Madame de Cossé entzückt, äufsert:Ah! rimer pour les belles, Cela hausse le coeur. Je veux mettre des ailes A mon donjon royal..., bemerkt der boshafte Triboulet:C'est en faire un*moulin«. Cynisch ist es, wenn er Monsieur de Cossé animal nennt und auf eine ihm bevorstehende Schmach mit den Worten anspielt:Je vois Quelque chose d'affreux qui vous pend à V'oreille. Hierher gehört auch die metaphorische Verwendung von sépulcre und linceul in den Worten:La Seine pour sépulcre et ce sac pour linceuls. Aber auch in dem wilden Schmerz über sein eigenes trauriges Los und sein Unglück erklingt ein verwandter Ton. Indem er zu dem toten König zu sprechen glaubt, sagt Triboulet:

Tu croyais donc, pitié! La colèere d'un pere aisément dentée!... M'entends-tu? c'est moi, roi gentilhomme, Moi, ce fou, ce bouffon, moi, cette noitis d'homme, Cet animal douteux à qui tu disais: chien!

Etwas später fährt er fort, nachdem er dem vermeintlichen toten Feinde einen Streich versetzt hat:L'esclave tire alors sa haine du*fourreau, Et le chat devient tigre et le bouffon bourreau. Wenn sich Triboulets Zorn gegen Franz I. kehrt, so ist das begreiflich, denn dieser ist ja nicht nur dafür verantwortlich, daſs der ganze Hof effrénée unden délire ist, sondern der lüsterne Herrscher hat auch die reine Seele seines geliebten Kindes getrübt. Was hat nun er, der verachtete Narr, aus diesem stolzen Herrscher,ce prince au coeur de feu, Rival de Charles-Quint... Un Dieu, gemacht?

Ce roi! de l'univers par sa gloire Gtoilé,

Dieu! comme il se sera brusquement en allé!.. Avec son nom, son bruit et sa cour qui v'rencense... Quoi! cette cour, ce siecle et ce regne, fumée!

Ce roi, qui se levait dans une aube enflammée!

Eteint, évanoui, dissipé dans les airs!

Es streift an Wahnsinn, wenn Triboulet sich rühmt, dals er den König, diesen pipot der Welt, zu Fall gebracht hat, und, die Folgen seiner That erwägend, sich vermessen mit Cäsar und Jesus vergleicht:

Quel César, quel Jısus, quel guerrier, quel apôtre, Jette les nations ainsi'une sur l'autre?...