Aufsatz 
Die Metapher in den Dramen Victor Hugos : 2. Teil / von Ernst Degenhardt
Entstehung
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Die Metapher in den Dramen Victor Hugos.

(Zweiter Teil.)

IV. Le roi s'amuse.

E. v. Hartmann sagt in seinenAphorismen über das Drama, daſs sich in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts eine Romantik des Gräſslichen entwickelt und namentlich durch Victor Hugo in das französische Drama Eingang gefunden habe. Dieser Vorwurf gegen den Dichter erscheint vollberechtigt, namentlich bei Betrachtung vonLe roi s'amuse.Cromwell ist noch frei von dieser Art von Romantik, inMarion de Lorme aber finden sich schon Scenen voll raffinierter, den Zuschauer peinigender Grausamkeit. InHernani tritt dieses Element Hugoscher dramatischer Kunst wieder etwas zurück, um desto krasser und ab- stoſsender inLe roi s'amuse zu erscheinen. Und von nun an ist keines der Dramen Hugos frei von Scenen voll berechneter Schauer, die an den Nerven des Zuschauers rütteln. ¹)

DieseRomantik des Gräſslichen prägt sich am deutlichsten an Triboulet, dem Hofnarren Franz I. aus, der trotz des auf den König hinweisenden Titels des Dramas die Hauptrolle im Stücke spielt. Dies zeigt sich auch an der Zahl der von Triboulet gebrauchten Metaphern. Von den 354 Bildern, die inLe roi s'amuse überhaupt vorkommen, verwendet Triboulet allein 193.

Alle physische und moralische Häſslichkeit vereinigt sich in der Person Triboulets. Inmitten des leichtlebigen Hofes Franz des Ersten ist er, der buckelige Narr, die beständige Zielscheibe des Spottes, rächt sich aber für diesen Spott durch glühenden Haſs gegen die ihn verhöhnende Menschheit, der er es gleichsam als Schuld anrechnet, wenn sie schöner und besser ist als er. Er gieſst die Lauge seines Spottes aus über alles, was über ihm steht, er stiftet als vollendeter Schurke soviel Unheil, als er nur immer kann. Und doch will der Dichter uns glauben machen, dass in dieser entwürdigten Seele neben den niedrigsten Trieben auch die reinste Vaterliebe wohnt, und dieser Zug soll Triboulet, das menschliche Scheusal, adeln. ²)

Triboulets Doppelnatur, wie sie Victor Hugo nun einmal schildern wollte, läſst sich auch

¹) cf. Zz. B. R. IV. 5. L. III. 1 u. 2. M. II. 7 u. 9. III. Abt. 2. 2. A. III. Abt. 1. 5. Ry. V. 3. 4. B. III. 2 u. 3.

²) Vinet(cf. Etudes sur la littérature française au dix-neuvième siècle, II pag. 361) weist darauf hin, dass diese Vaterliebe nichts weiter ist als ein Instinkt, der allen lebenden Wesen gemeinsam ist, an sich aber noch nichts sittlich Erhebendes bedeutet.