Aufsatz 
Das Beobachten
Entstehung
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ſtehen, was mit den Ausdrücken Lippen⸗, Gaum⸗, Zungen⸗ laute gemeint iſt. Sie ſehen ein, warum bei nachläſſigerer Ausſprache(ich glaube, nicht bloß in unſerer Gegend, ſondern vielleicht im größten Theile von Deutſchland) ganz und Gans gleich lautet,*) ebenſo, mit Ausnahme des Vokals, Hals und Holz, warum aber niemals z. B. Hersfeld und Herz⸗ feld in der Ausſprache verwechſelt wird. Auch die Lautver⸗ ſchiebung wird durch dieſe Beobachtung klarer, die Ausſprache des j im engliſchen Worte bird, und ſo manches Andere. Wenn man im Unterrichte an die Verslehre kommt, ſo braucht nicht mit den Namen der Versfüße und der Be⸗ deutung dieſer Namen begonnen zu werden; man lieſt Verſe vor, läßt die Zahl der Füße beobachten und ob aufſteigender oder abſteigender Takt herrſche; darnach erſt die Namen Jambus, Trochäus u. ſ. w. Ebenſo können über den Reim Beobachtungen angeſtellt werden. Und ſo bietet der Sprachunterricht und ebenſo, wie wir hier nur ganz beiläufig bemerken wollen, der Geſ angunterricht Gelegen⸗ heit zu einer Maſſe von Beobachtungen; und wenn die Schüler angeleitet werden ſolche anzuſtellen, ſo haben ſie einen feſteren Beſitz, als wenn man bloß lehrend verfährt.

Wir ſind übrigens hier, bei dieſer Thätigkeit des Menſchen, der Sprache, bereits faſt auf das dritte Gebiet der Schule gekommen, auf die Natur, denn die Sprache iſt ja von der einen Seite auch ein Naturerzeugniß. 48)

*) Es iſt ſogar ſchon gelehrt worden, die Buchſtaben ns und nz am Ende von Wörtern lauteten gleich. S. Stern, erſtes Sprach⸗ und Leſebuch. Karlsruhe 1839. S. 16. Allerdings gilt Aehnliches in der engliſchen und ſpaniſchen Sprache als Regel; z. B. engl. bench, ſpan. Mancha.

**) Vgl. Wedewer im Programm der hieſigen Selectenſchule von 1863 S. 11.