Aufsatz 
Zur Inversion der römischen Eigennamen : I. Cicero bis Livius
Entstehung
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Zuſammenfaſſung.

Die vorliegende Unterſuchung behandelt die ratio in der Verwen⸗ dung des ohne Pränomen gebildeten zweiteiligen Namens(S. 4), der Verbindungen Gent.+ Cogn. und Cogn.+ Gent., von Cicero bis Livius. Im Gegenſatz zu Theodor Mommſen, der die Umſtellung der Namen als eine Willkür der Rede bezeichnet, hat GuſtavLahmeyer in ſeiner oben angeführten Arbeit die ſprachliche Möglichkeit der Inverſion dargethan(ſ. o. S. 5 und S. 28). Das Reſultat ſeiner im weſentlichen ſtatiſtiſchen Zuſammenſtellung iſt oben S. 5 nach ſeinen eigenen Ausführungen wiedergegeben.

Lahmeyers Scheidung zwiſchen Cicero und Nepos als Vertretern eines älteren Sprachgebrauchs einerſeits(faſt durchgängig Cogn.+ Gent. bei Auslaſſung des Pränomens: Gallus Caninius) und Cäſar als Be⸗ gründer einer neuen, allmählich mehr und mehr zur Geltung kommenden Ordnung andererſeits(Gent.+ Cogn.: Caninius Rebilus) läßt ſich nicht halten, da ſie ſich nur auf eine Vergleichung der beiden entgegen⸗ geſetzten Namensverbindungen ohne Vornamen gründet. Auch die mit dem Pränomen gebildeten Namen, die bis zu Livius bei weitem in der Überzahl ſind, müſſen unbedingt zum Vergleich herangezogen werden (S. 6 u. 7).

Daraus ergibt ſich denn für Cicero(S. 941; ſ. beſonders S. 40): Der Unterſchied in der Benennung(mit dem Pränomen oder mit Gentile und Cognomen ohne Pränomen) iſt bedingt durch den Stand der Perſonen(S. 2227). Die mit Cicero gleichzeitig lebenden Mitglieder der eigentlichen Ariſtokratie und der als ebenbürtig aner⸗ kannten engeren Nobilität werden nie oder nur ausnahmsweiſe (S. 24) mit invertierten Namen(Tab. S. 913) genannt, ebenſo wenig mit Gent.+ Cogn.(S. 36; Tab. S. 29 und 30); das rechte Diſtinctiv der Nobilität iſt Pr.+ Cogn.(S. 27). Die Verbindung Gent.+ Cogn.(S. 29 41) kommt thatſächlich, wie Lahmeyer erkannt hat, zunächſt den Bürgern niedrigen Standes zu(ſ. beſonders S. 38), findet aber bei den Freunden Ciceros und bei dieſem ſelbſt auch Ver⸗ wendung ſowohl für die zwiſchen der niedrigen Plebs und dem eingeſeſſenen Ämteradel ſtehende Gruppe vermögender Privatleute(S. 35) als auch für die der weiteren Nobilität angehörigen Mitglieder emporſtrebender Familien(z. B. Asinius Pollio), für die in den Briefen Ciceros vielfach die Inverſion ſteht. In den anderen Schriften liegt meiſt ein beſonderer Grund für die Inverſion vor. Der Gebrauch von gentile und cognomen adiunctum(S. 30 34) iſt etwas weiter ausgedehnt.