Rubrik 4. und 5. Denn die Lieder des Trostes» können doch ganz gut als«Lieder der Freund- schaft» bezeichnet werden. Auch in Rubrik 1l und 2, des Dichters Beruf» und des Dichters Lebensanschauung», sind zu verwandte Klänge, als daß eine scharfe Trennung möglich erscheint.— Sehen wir uns nun gar die einzelnen Oden an, die unter die einzelnen Rubriken verteilt sind, welche Summe von Willkürlichkeit tritt uns da entgegen! So finden wir z. B. I, 34 parcus deorum etc. nach einer höchst künstlichen Interpretation unter der Rubrik der Dichter als Patriot», wührend in dem ganzen Liede von politischen Anschauungen auch nicht eine Silbe zu lesen ist, sondern Ioraz einfach in schlichten Worten seine Rückkehr zum alten, frommen Kinderglauben anzeigt, den er«nach unverständiger Weisheit strebend» in seinen geistigen Flegeljahren leider aufgegeben hatte, aber jetzt, nachdem er seine Erfahrungen im Leben ge- macht, begierig wieder aufsucht(«wer nie sein Brot mit Thränen aß» etc.), da man Gottes Iand so deutlich in der Natur wie in der Weltgeschichte erblicke. Also gehört diese Ode ganz entschieden unter Rubrik 6. Unter dieser Rubrik finden wir aber unter andern Liedern auch II, 13 und III, 8. Was nun diese Gedichte mit der Überschrift«Götter, Heroen, Gottes- dienst» gemein haben, ist mir ganz und gar unerfindlich. In II, 13 nämlich führt der Dichter, an den Sturz des Unglücksbaums anknüpfend den Gedanken aus, daß der Mensch sich nicht genug vor Gefahren zu hüten vermag, die ihn häufig von einer Seite bedrängen, woher er ihr Kommen am wenigsten vermutet. III, S enthält die Aufforderung an Mäcenas, zu Ehren des geretteten Horaz bei der Jahresfeier seiner Rettung recht wacker zu trinken und sich der politischen Sorgen zu entschlagen. In II, 13 ist gar nichts enthalten, was auf die Uberschrift «Götter, Ieroen, Gottesdienst» sich bezieht, es müßte denn die Beschreibung der Unterwelt und ihrer Bewohner, zu denen beinahe auch Ioraz hinzugekommen wäre, von Gebhardi dahin ge- rechnet werden. In III, S ist doch die ganz nebensächliche Erwähnung des Opfers, die mehr dekorativ ist und die Situation kennzeichnen soll, von so untergeordneter Bedeutung, daß sie zur Rubrizierung des Gedichts unter 6 nicht Veranlassung geben durfte. Die Rubrik 3. und ihre UÜberschrift«der Dichter als Patriot» ist zu unbestimmt, denn, wenn man so vill, so zeigt sich der Dichter auch in anderen Oden, in denen er sein Volk zur Besserung ermahnt, und die Gebhardi unter 2 unterbringt, auch wenn sie nominell an einzelne Personen gerichtet sind, als wackeren Patrioten, so z. B. in II, 16 und III, 16, wo das Jagen nach den falschen Gütern des Lebens gegeißelt wird. Diese Gedichte könnten oder müßten vielmehr gerade so gut unter 3 stehen, wie III, 24 und II, 15. Das letzte Gedicht, das die Excesse der Bauwut der modernen römischen Großen mit der Einfachheit der alten Zeit vergleicht, steht unter der Rubrik der Dichter als Patriot», wüährend II, 18 der vollständig nebensächlichen, nur zur Motivierung des Gegensatzes dienenden Bemerkung(at jides et ingeni benigna vena est) wegen unter die Rubrik 1 «der Dichter und sein Beruf» gestellt ist. Jedoch auch diese 18. Ode soll nur die in voll- ständigem Gegensatz zu Horazens Anschauung stehende Jagd nach dem Golde und die damit, verknüpfte wahnsinnige Bauwut der Reichen schildern, die zur Befriedigung ihrer Habgier sogar schweres Unrecht nicht scheuen, selbst wenn sie am Rande des Grabes stehen, vor dem sie alle ihre Schätze nicht bewahren können. Was nun gar die Frühlingslieder betrifft, so sind zwei davon, I, 4 und III, 7, von Gebhardi unter Rubrik 2(«des Dichters Welt- und Lebens- anschauung») gesetzt, dagegen eins, IV, 12, unter Rubrik 4(Lieder der Freundschaft, der Liebe und Freude»). Warum? Ich weiß es nicht. IV, 12 fordert der Dichter am Schlusse der schönen, wohlgelungenen Frühlingsschilderung(3 Strophen), da die neue schöne Jahreszeit Durst mache, in seiner frohen Frühlingsstimmung den Vergil zum Trinken, also zum Genusse
der Lebensfreuden auf(4 Strophen), und I, 4 lädt er in gleicher Weise nach vorausgehenden *


