— 6—
Die Objecte der inneren und aͤußeren Sinnlichkeit nennen wir Subſtanzen, und ihre Bezeichnung als Sprachtheile Subſtantive; und ſomit müſſen dieſe Subſtantive in allen Verhältniſſen des Raums und der Zeit und der aus ihnen hervorgehenden Cauſalität darſtellungsfahig ſein, d. h. die Sprache, auch ſelbſt auf einer niederen Stufe der Ausbildung, muß ſie in allen dieſen Verhältniſſen darzuſtellen vermögen. Die Art und Weiſe aber, wie ſie dieſes Ziel erreichen, mögte eine dreifache ſein und zwar:
1) Durch die veränderte Form des Subſtantivs ſelbſt,
2) Durch eigene Verhältnißwörter,
3) Durch beides zuſammen.
Die Subſtanzen traten ohne Zweifel eher vor die Schranken des menſchlichen Geiſtes als ihre mannichfaltigen Verhältniſſe zu einander, und darum erſcheinen auch die Subſtantive und ihre Formveränderungen eher als die Verhältnißwörter. Ja es läßt ſich eine Sprache ohne die letzteren ſehr wohl denken, und namentlich die griechiſche iſt es, in deren älteſten Schriftdenkmalern wir das allmählige Hereinkommen derſelben ſehr gut wahrnehmen können.
In der homeriſchen Sprache kommen weit weniger Verhäͤltnißwörter vor, als in der der ſpäteren Griechen, weil die weitere Ausbildung und ſteigende Menge der Ausdrucksweiſen der Verhältniſſe mehr Verhältnißwörter nöthig machte und dieſe auch die Verhältniſſe für Auge und Geiſt deutlicher darſtellten. 0) Und doch iſt
*) In der vielfach angeregten Frage, ob das Subſtantiv vor dem Verbum, oder das Verbum vor dem Subſtantiv entſtanden, mögte ich mich unbedingt für die Annahme des Erſteren erklären und mit Ritz(de praepositionum graecarum natura et indole p. 15 Anmerk.) Kühner's Annahmen(§. 386 in deſſen griech. Grammatik) verwerfen, weil er zuerſt das Subſtantiv aus dem Verbum entſtehen läßt und ſogleich(§. 387) es als Prädikat des Subſtantivs hinſtellt, jedoch ein Prädikat ohne Subſtantiv nicht wohl denkbar iſt.— Man vergleiche damit Dionys. Hal. ed. Reiske V, p. 33: Adrleaa râ dvuασra yous rärreir nòor ανν S§νιατον d uby rdo ν outar dodr, zd dk r6 Puue Sads œeεαεο d'lvaα uα.) odtlar 1d dASS r.
*) J. Grimm in ſeiner Grammatik IV, p. 765:„Als die Flexionen des Nomens voller waren, erreichte das Verbum eine Menge ſeiner Beziehungen auf das Nomen allein durch die Caſus. Dieſer Ausdruck war der unmittelbarſte und wirkſamſte.“


