Aufsatz 
Einige einleitende Bemerkungen zur Lehre von der griechischen Präposition
Entstehung
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als Factoren zu ergründen ſuchten, durch deren Miſchung und Verbindung ſie, wie prüfende Chemiker, den wunderbaren Sprachenbau mit Sicherheit zu conſtruiren trachteten.

Die Sache der Erſteren war es vorzugsweiſe, den jugendlichen Geiſt zur Erler⸗ nung einer Sprache nach und nach heranzuführen, während die Letzteren wenigſtens bis jetzt noch den gereiften Verſtand als Zuſchauer in den Schöpfungsact der Sprachen einführten. Wie aber der jugendliche Geiſt erſt von dem Mechaniſchen zum organiſch ſich Bildenden, von dem Gewordenen auf die Art und Weiſe des Wer⸗ dens geführt wird, ſo wird auch die Grammatik der Mechaniker noch ſo lange Gram⸗ matik der Jugend bleiben müſſen, bis es den Genetikern gelungen ſein wird, ihre Anſchauungen als die Reſultate ihrer Forſchungen der Faſſungsfähigkeit des werdenden Verſtandes anzupaſſen. Viele haben dieſes, der Eine mit mehr, der Andere mit weniger Glück, verſucht, und täuſchen wir uns nicht ſo iſt die Zeit nicht mehr ſehr ferne, in der die Grammatik der Sprachen, namentlich der todten, vom männ⸗ lichen Geiſte durchdrungen, allen Ballaſt, der ſowohl in der Formenlehre, als auch in der Syntax noch in großer Maſſe vorhanden iſt, abwerfend, auch den juͤgendlichen Geiſt vom todten und tödenden Mechanismus weg auf den Weg eigener Anſchauungen und Begriffe ſetzen und auf demſelben zu einem höheren Ziele führen kann und wird. ¹)

War man auch ſchon im vorigen Jahrhundert beſchäftigt, außer den beiden ſogenannten claſſiſchen Sprachen des Alterthums auch auf andere die Forſchungen auszudehnen, ſo blieb es doch vorzugsweiſe unſerem Jahrhundert vorbehalten, die aus⸗ gedehnteſten Unterſuchungen auf dem Gebiete ſowohl der europäiſchen, als auch der außereuropäiſchen Sprachen anzuſtellen.

Die Saat, welche F. A. Wolf's Geiſt ausgeſtreut hatte, lag nicht müßig, und die Früchte mancher noch kommenden Jahrhunderte werden auf dieſe alte Saat Leben und Gedeihen gründen. Der Schule Wolf's folgte die Hermann'ſche, die in geiſtvollen Beſtrebungen und glücklichen Reſultaten nicht minder bedeutend für die

¹) Lobenswerthes Beſtreben zeigen darin ſchon Buttmann, Roſt, Kühner, Bernhardy, Hartung, Billroth, Wüllner u. A. . 1*