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Wäahrend die franz. Sprache wie alle romanischen Sprachen in der ausserordentlichen Leichtigkeit der Bildung von Ableitungen einen ihren gröſsten Vorzüge besitzt, zeigt sie dagegen ‚gleich ihrer Mutter, der lateinischen Sprache in der Bildung von Zusammensetzungen einen verhältnifsmäſsigen Mangel an Gewandtheit; besonders tritt dieser, recht im Gegensatz zu der groſsen Fülle und Leichtigkeit der Zusammensetzungen im Deutschen, bei der Bildung von Substantiven charakteristisch hervor. Bei der Bildung von zusammengesetzten Verben, zu der sich der gröſste Teil der lateinischen Präpositionen, und zwar meist in doppelter, einer lateinischen und einer französischen Form, und mehrere präpositionalen Adverbien dar- boten, macht sich dieser Mangel weniger bemerkbar. Auch sie mufsten dazu dienen, den dem Wortschatz durch das Verschwinden der oben angegebenen lateinischen Stammverba entstandenen Verlust wieder zu ersetzen. Dies geschah entweder durch die Herübernahme zahlreicher lateinischer Composita oder durch Bildung von Zusammensetzungen nach ihrem Vorbild. Gingen die Simplicia auch mit über, so nahmen sie oft eine von der lateinischen verschiedene oder eine beschränkte Bedeutung an, vgl.(mittere und mettre, trahere und traire), während die Composita die lateinische Bedeutung behielten(cf. promittere— promettre, extrahere— extraire). Ging das Simplex verloren, so nahm oft eines seiner übergehenden Com- posita die Bedeutung des Simplex an(vgl. coudre v. consuere für suere, cueillir aus colligere für legere(Sammeln), couvrir aus cooperire für operire, coucher aus collocare für locare(louer heiſst nur: vermieten), assouvir und assoupir aus adsopire für sopire, conduire aus conducere für ducere, conserver aus conservare für servare). In diesen Bei- spielen(mit Ausnahme der drei letzten) findet zugleich die Verschmelzung der Präposition mit dem Verbum in einer Weise statt, daſs die Zusammensetzung als solche nicht mehr kenntlich ist, ein Vorgang, der auch in Verben wie cailler(coagulare), compter(computare), coùter(constare), ôter(obstare), crouler(“c(o)(r)rotulare) u. a. vorhanden ist. Es gelten demnach bei der Bildung von Dekompositis(dopp. Zusammensetzungen),. wie sie auch schon dem Lateinischen eigentümlich sind,(. B. compromittere, praeoccupare) solche Verba um so eher der Sprache als etwas Einheitliches, und es entstehen Dekomposita wie: découdre, recueillir, découvrir, accoucher, recommencer(dreifache Zusammensetzung aus re- com- in-itiare), die zum Unterschied von anderen Decompositis wie désenchainer, préoccuper dem ungeübten Auge als einfache Zusammensetzungen erscheinen.
Bei der Bildung von Zusammensetzungen nach dem Vorbild der lateinischen geschieht es öfter, daſs neugebildete Composita den Sinn von nicht übergegangenen lateinischen Com- positis annehmen, deren Simplex mit dem ihrigen synonym ist. So hat supporter den Sinn des nicht übergegangenen sufferre, rapporter den von referre(berichten), repousser (repulsare) aufser dem von repellere auch den von rejicere, enfermer den von includere;(So auch revenu, Einkünfte, latein, reditus); prévenir vereinigt den Sinn von praevenire und praeoccupare; se récrier(von crier aus quiritare) lauten Einspruch thun, steht neben réclamer, pourchasser neben poursuivre für persequi. Die Aneinanderfügung der Prâp. und des Verbums geht gröſstenteils nach dem dem Lateinischen eigentümlichen Assimilations- verfahren(cf. accourir, acquérir, affliger, commettre etc.) vor sich, zuweilen treten andere Gesetze ein, wie in essuyer(exsucare), effeuiller(exfoliare), oder mit Ausstoſsung der Endkon- sonanten der Präp.: échauffer(excal(e)fa(ce)re) oder mit Auswerfung des-d ohne Assimi- lation apercevoir(appercipere), aber appeler(appellare), adoucir(addulcire), acheter Gad- captare), aber accepter. Die Veränderung des Stammvokals, wie sie im Lateinischen den


