VI
gehen wie die Verbal- oder Nominalstämme, an die sie treten, ohne Ausnahme auf latei- nische Urformen zurück und haben. wenigstens soweit sie an Verbalstämme treten, zum Teil auch ihre lateinische Bedeutung bewahrt. Da die an Verbalstämme antretenden Suffixe zum groſsen Teile dieselben als die zur Ableitung von Verben aus Nominalstämmen die- nenden sind. so entsteht bei manchen Verben die Frage, ob sie auf mit Suffixen abgeleitete lateinische Verba zurückgehen oder ob sie von bereits mit diesen Suffixen abgeleiteten französischen Nominibus(meist Substantiven) abgeleitet sind.
Diejenigen Suffixe, welche französische Verben sowohl von Nominibus als von Verben bilden, sind die auf-eter.-oter,-cher, oyer,-uler,-eler(ler),-iller,-ailler.-ouiller, onner, asser, iner, ocher, während andere wie-ader, Jager,—aler,-ancer und-encer,-arder,-ätrer, -arier, auder,-eller,-enter und-anter,-esser, icier,—oler,-oter, ourer,-ouser,-ider,-iver, -uer,-umer,-urer,-bonder, Jenter,-menter,-timer. iquer,-ger und-guer, iier,’ayer und eyer, igner, iger-iser und-cir nur an Nomina tretende Suffixe sind. Bei den zuletzt genannten allen und einem groſsen Teile der zuerst genannten ist also ausdrücklich zu bemerken, dats der charakteristische Teil ihrer Ableitung schon zur Bildung von Nominalstämmen gedient hat, von denen dann, unter Antritt der Infinitivendung die Verba abgeleitet sind. Die Bedeutung dieser Suffixe lässt sich im groſsen und ganzen, soweit eine solche überhaupt erkennbar ist, auf die teils mehr teils weniger deutlich hervortretende faktitive, intensive, frequentative, deminutive und pejorative zurückführen. Eine groſse Zahl der von Verbal- stämmen abgeleiteten Verba bezeichnet auch nur in irgendwie modifizierter Weise die Thätigkeit des Stammverbums, wâhrend die von Nominibus abgeleiteten eine Thatigkeit oder einen Zustand bezeichnen, der dem Stammwort adäquat ist. Der Hauptwert der Suffixe liegt jedenfalls darin, daſs sie die Möglichkeit der feinsten, oft nur mit dem Ge- fühl wahrnehmbaren oder doch nur durch weitläufige Umschreibung auszudrückenden Nüancierung des Begriffs geben.
Zu denen auf eter gehören, von Nominalstämmen demin. Form und demin. Sinnes. der den Verben selbst fehlt, abgeleitet: breveter(brevet), cacheter(cachet), feuilleter(feuillet), em- und dépaqueter(paquet). vergeter(vergette), pocheter(pochette). Die von Verbal- stämmen abgeleiteten haben eine Art von deminutiver Bedeutung; zu ihnen gehören: claqueter(klappern— vom Storch, von claquer— knallen, schnalzen), craqueter(knistern, prasseln) von craquer(knarren. knirschen), marqueter(sprenkeln) von marquer(bezeichnen), tacheter(fleckig machen, sprenkeln) von tacher(besudeln) u. a.
Zu denen auf oter(auch otter) gehören von Nominalstämmen: chicoter(auch chicotter, von chicot), démailloter(maillot), piloter(pilot), barboter(barbe, schnattern), grilloter(zirpen von: grillon, lat. gryllus), chevroter(chèvre), ballotter(ballot); in einigen derselben tritt der dem Suffix eigene frequentative und oft zugleich deminutive Sinn zu Tage, so in barboter, grilloter, chevroter, pianoter(klimpern); durchgängig ist er den von Verbalstämmen abgeleiteten eigen, wie: baisoter(oft küssen) von baiser; buvoter(oft nippen) von boire, clignoter(fortwährend blinzeln) von cligner, crachoter(oft, aber wenig ausspucken) von cracher, trembloter von trembler, vivoter(kümmerlich leben) von vivre, rioter(kichern) von rire, piquoter(prickeln, kitzeln) von piquer(stechen), siffloter von siffler u. a. Zu diesen und denen auf-eter gehören auch noch die von der Interjektion chut(pst!) abgeleiteten reduplicierten Verben chuchoter(flüstern, zischeln) und chucheter (zwitschern, piepen).


